Enttäuschte Hoffnungen: Papst weicht Zölibats-Frage aus

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani Nach dem Streit um die Weihe verheirateter Männer als Mittel gegen extremen Priestermangel schreckt der Papst vor einer Lockerung des Zölibats am Ende zurück. In seinem Amazonas-Text nimmt er Umwelt- und Menschenrechtsthemen in den Fokus.

12.02.2020

Papst Franziskus hat Hoffnungen auf eine Reform beim Priesterzölibat für abgelegene Gemeinden in Amazonien enttäuscht. In seinem am Mittwoch veröffentlichten nachsynodalen Apostolischen Schreiben zur Amazonas-Synode im Oktober erwähnt er verheiratete Priester mit keinem Wort. Vor der Veröffentlichung hatten viele in der Kirche erwartet, dass der Papst verheiratete Priester, sogenannte viri probati, zulassen könnte, um dem eklatanten Priestermangel in der Region zu begegnen.

In dem knapp dreißigseitigen Schreiben "Querida Amazonia" (Das geliebte Amazonien) betont Franziskus die Einzigartigkeit der Priester, die allein an den entlegensten Orten die Eucharistie, das katholische Abendmahl, spenden. Er gesteht ein, dass in manchen Gegenden deshalb "manchmal jahrzehntelang" kein Priester vorbeikommt. Im Vorfeld hatte Franziskus betont, die katholische Kirche müsse für diese Fälle die bestehenden Ausnahmeregelungen für verheiratete Priester ausdehnen. Offenbar schätzt er jetzt das Risiko zu groß ein, durch eine eindeutige Stellungnahme zugunsten verheirateter Priester eine Kirchenspaltung herbeizuführen.

Der päpstliche Mediendirektor, der in den Vatikanmedien für die Interpretation von offiziellen Schreiben zuständig ist, betonte, dass es sehr wohl Möglichkeiten für eine Lockerung des Zölibats gibt. Die "vollkommene und ständige Enthaltsamkeit" sei "nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert", zitierte er das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils "Presbyterorum ordinis" über das Priestertum von 1965.

Einige Teilkirchen sehen verheiratete Priester vor

Die der katholischen Kirche zugehörige maronitische Kirche im Libanon sieht bereits verheiratete Priester vor. Benedikt XVI. bereitete als amtierender Papst auch verheirateten anglikanischen Geistlichen samt Familie den Weg in die katholische Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Mittwoch in Bonn, die Diskussion sei noch nicht beendet.

Auch einen weiteren Reformvorschlag gegen den Priestermangel setzte Franziskus nicht um: Obwohl er anerkennt, dass Frauen im Amazonasgebiet viele Gemeinden führen, schloss er bereits in der Vergangenheit Weihen für sie aus. Dies würde nur zu einer "Klerikalisierung der Frauen" führen und den großen Wert dessen schmälern, was sie geleistet hätten, schreibt das Kirchenoberhaupt in seinem Apostolischen Schreiben.

Ausbeutung der Amazonasregion im Zentrum

Stattdessen schreibt der Papst auf vielen Seiten über die fortschreitende Zerstörung und Ausbeutung der Amazonasregion. Er prangert die Macht internationaler Konzerne an, die unter Mithilfe von korrupten Politikern die Umwelt durch Abholzungen, Bergbau und Erdölförderung zerstörten. Wegen der Bedeutung, die die Region für das weltweite Klima habe, werde mit der dortigen Umweltzerstörung zugleich das "Gleichgewicht des Planeten" bedroht.

Auch die katholische Kirche nimmt Franziskus dabei nicht von Kritik aus. Ihre Mitglieder seien "Teil des Korruptionsnetzes" gewesen, gesteht er ein. Sie hätten sich mitunter Stillschweigen mit Unterstützung für kirchliche Hilfswerke bezahlen lassen.

Der Streit um den Zölibat ließ die übrigen Themen der Amazonassynode bereits während der Bischofsversammlung im Herbst in den Hintergrund treten. Die Zerstörung des Regenwalds ist jenseits aller Glaubensfragen durch ihre Auswirkungen auf den Klimawandel aber nicht nur für den Papst von größerer globaler Bedeutung.