Save the Children: Jedes sechste Kind weltweit lebt in Krisengebiet

epd-bild/Sebastian Backhaus Die Zahl der Mädchen und Jungen, die in Konfliktgebieten leben, hat sich seit 1995 mehr als verdoppelt.

13.02.2020

Kriege und Konflikte werden für Kinder immer gefährlicher. Jedes sechste Kind weltweit (415 Millionen) lebte 2018 nach Angaben der Organisation Save the Children in einer Konfliktzone. Wie aus dem diesjährigen Bericht "Krieg gegen Kinder" der Kinderrechtsorganisation hervorgeht, hat sich die Zahl der Mädchen und Jungen, die in Konfliktgebieten leben, seit 1995 mehr als verdoppelt.

Der aktuelle Bericht von Save the Children legt den Fokus auf die Geschlechterrollen und untersucht, wie sich Kinderrechtsverletzungen auf Mädchen und Jungen unterschiedlich auswirken. So seien Jungen insgesamt stärker von der Rekrutierung durch Streitkräfte oder bewaffnete Gruppen betroffen. Zudem werden sie den Auswertungen zufolge häufiger entführt. Von den 2.500 Kindern, die 2018 von bewaffneten Gruppen entführt wurden, seien 80 Prozent Jungen gewesen.

Mädchen hingegen wurden laut Save the Children viel häufiger vergewaltigt, zur Kinderheirat gezwungen oder waren anderen Formen sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Bei mindestens 87 Prozent der bestätigten Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder seien Mädchen betroffen gewesen, heißt es in dem Bericht.

Kinder in Afrika besonders gefährdet

Die höchste Zahl der von Konflikten betroffenen Kinder lebt den Angaben zufolge in Afrika: Jedes vierte afrikanische Kind - 170 Millionen Jungen und Mädchen - lebt demnach in einem Konfliktgebiet. Die zehn gefährlichsten Länder für Kinder waren 2018 laut Bericht Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak, Jemen, Mali, Nigeria, Somalia, Südsudan, Syrien und die Zentralafrikanische Republik.

Besonders gefährlich für Kinder sei Syrien gewesen. In Afghanistan habe es die meisten Kinder gegeben, die getötet oder verstümmelt wurden. In Somalia findet sich laut Save the Children die höchste Zahl von Kindern, die sexuelle Gewalt erfahren haben.

Strafverfolgung gefordert

"Es ist erschütternd, dass die Welt zuschaut, während Kinder ungestraft zur Zielscheibe werden", sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children. "Immer öfter werden Schulen und Krankenhäuser angegriffen, Millionen von Kindern haben keinen Zugang zu Bildung oder Gesundheitsdienstleistungen. Das dürfen wir nicht länger tolerieren." Im Jahr 2018 habe es in 18 Ländern fast 1.900 bestätigte Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie Besetzungen für militärische Zwecke gegeben - das sei ein Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zu 2017, heißt es in dem Bericht.

Save the Children fordert, dass die Täter von Verbrechen an Kindern zur Verantwortung gezogen werden. Zudem fordert die Kinderrechtsorganisation die Einhaltung internationaler Regeln und Standards.