«Homecoming» eines Genremalers

epd-bild/Michael Schick Er war einst ein international erfolgreicher deutscher Maler. Das Museum Wiesbaden holt mit einer Ausstellung den dort gebürtigen Ludwig Knaus aus der Vergessenheit.

13.02.2020

Zu seinen Lebzeiten war Ludwig Knaus (1829-1910) einer der erfolgreichsten deutschen Maler. Vor allem Ende des 19. Jahrhunderts war die Nachfrage nach seinen Bildern auf dem internationalen Kunstmarkt groß. Auch heute hängen in einigen deutschen Museen noch Werke des Genremalers, doch ist der Ruhm des gebürtigen Wiesbadeners verblasst. Und bis vor kurzem war auch der Verbleib einiger seiner bedeutendsten Gemälde nicht bekannt. Das Museum Wiesbaden hat für eine große Werkschau des Künstlers aber nicht nur sein bekanntestes Bild "Die goldene Hochzeit" in Milwaukee ausfindig gemacht und in seine Geburtsstadt ausgeliehen.

Unter dem Titel "Homecoming" zeigt das Museum bis zum 2. August rund 70 Gemälde, die zu einem Gutteil aus den USA und anderen ausländischen Sammlungen entliehen sind. Hinzu kommen rund 100 Zeichnungen, die wiederum größtenteils aus seinem Nachlass stammen, den die in Deutschland lebende Urenkelin des Malers zur Verfügung gestellt hat. Dasselbe gilt auch für die Brille von Knaus, seine Geldbörse und sogar eine Eintrittskarte für den Berliner Zoo sowie eine Reihe von Urkunden.

Szenen aus dem Volksleben

Die Genremalerei von Knaus prägen Szenen aus dem Volksleben. Auch Sinti und Roma, Gaukler und Schausteller sowie jüdisches Leben kommen in seinen Bildern vor, wie die Ausstellung zeigt. Die Gemälde wirkten gleichwohl aber nicht sozialkritisch, merkt Kurator Peter Forster an. Kennzeichnend für Knaus sei indes, dass die vielen Figuren alle individuellen Charakter oder Emotionen erkennen ließen und das Bild sich dennoch zu einem harmonischen Ganzen zusammenfüge.

Das gilt besonders für die 1859 gemalte "Goldene Hochzeit", das ein offenkundig seit 50 Jahren glücklich verheiratetes Paar in der nordhessischen Schwalm inmitten von Festgästen aller Generationen zeigt. "Für die damalige Gesellschaft und die Käuferschaft wirkten die Schwälmer Landleute als Einheit fernab einer aus den Fugen geratenen industrialisierten Welt", erläutert das Museum. Das Bild galt lange als verschollen. Doch bei den ersten Vorbereitungen für die Ausstellung meldete sich ein Freund des amerikanischen Kunstsammlers und Museumsgründers Eckhart Grohmann mit dem Hinweis, dieser habe Bilder von Knaus. Es stellte sich heraus, dass dazu auch "Die goldene Hochzeit" gehört, die dann neben anderen Werken von Knaus nach Wiesbaden ausgeliehen werden konnte.

110 Jahre nach seinem Tod

In der Ausstellung finden sich auch eine Reihe von Kinderporträts, die bewusst im selben Raum wie die Bilder eines Leichenzugs und eines alten Ehepaars platziert wurden. Auch werden Druckgrafiken gezeigt, wie sie zu dessen Lebzeiten von Knaus' Bildern erstellt wurden und laut Kurator Forster heute noch in Wohnzimmern des amerikanischen Bürgertums hängen. Auch Selbstbilder des Malers und ein Porträt seiner Frau fehlen nicht.

Als Knaus 1910 in Berlin starb, war der große Erfolg der Genremalerei des weit gereisten Künstlers praktisch schon vorbei. Die Zeit und der aufblühende Impressionismus "gingen über ihn hinweg", sagt Forster. Mit der Ausstellung im Museum Wiesbaden soll der Maler 110 Jahre nach seinem Tod nun zumindest auch in seinem Heimatland wieder bekannter werden.