Oberammergauer Passionsspiele auf 2022 verschoben

epd-bild/Norbert Neetz Wegen der Corona-Pandemie werden die weltberühmten Oberammergauer Passionsspiele um zwei Jahre verschoben. Die Passionsspiele finden seit knapp 400 Jahren statt. In dieser Zeit mussten die Spiele nur zweimal gestrichen und einmal verschoben werden.

19.03.2020

Die weltberühmten Passionsspiele von Oberammergau werden wegen der Corona-Pandemie um zwei Jahre verschoben. "Grundlage ist ein Bescheid des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, der die Durchführung der Oberammergauer Passionsspiele untersagt", teilten die Veranstalter am Donnerstag mit. Da die Gesundheit von Gästen und Mitwirkenden höchste Priorität habe, werde die für den 16. Mai geplante Premiere auf den 21. Mai 2022 verschoben.

Weitere Spieltermine sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Das Spiel über das "Leiden und Sterben Christi" sollte eigentlich an 103 Aufführungstagen zwischen dem 16. Mai und 4. Oktober gezeigt werden. Erwartet wurden 450.000 Besucher aus aller Welt.

Das Risiko sei zu hoch

Das Gesundheitsamt habe eine Risikoeinschätzung vorgenommen, teilten die Veranstalter mit. Ein Spielen der Passion bis in den Herbst hinein sei nicht möglich. Es sei zwar davon auszugehen, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren werden könnten. "Jedoch werden wir noch über einen langen Zeitraum ein hohes Risiko haben, dass immer wieder Infektionen auftreten werden", hieß. Das Risiko sei zu hoch, dass neue Infektionsketten entstehen. Eine Verschiebung um lediglich ein paar Monate erscheine allen Beteiligten als nicht tragbar.

Rund 2.400 Menschen aus Oberammergau wirken an der Passion mit, in den großen Volksszenen stehen bis zu 900 Darsteller gleichzeitig auf der Bühne. Der Zuschauerraum des Freilichttheaters fasst 4.600 Gäste.

Im Jahr 1634 hatten die Oberammergauer gelobt, das Epos alle zehn Jahre auf die Bühne zu bringen, wenn niemand mehr an der Pest sterbe. Dieses Gelübde wollen die Oberammergauer weiterhin erfüllen und beginnen derzeit mit den Planungen für 2022. In den knapp 400 Jahren mussten die Spiele nur zweimal ersatzlos gestrichen werden: 1770 wegen eines Generalverbots und 1940 wegen des Zweiten Weltkriegs. 1920 wurden die Passionsspiele wegen der hohen Zahl an Gefallenen im Ersten Weltkrieg auf das Jahr 1922 verschoben.