Verein gegen Internetmissbrauch: Kettenbriefe nicht weiterleiten

epd-bild / Norbert Neetz Der österreichische Verein "mimikama" gegen Internetmissbrauch ruft WhatsApp-Nutzer dazu auf, Coronavirus-Kettenbriefe über den Instant-Messaging-Dienst nicht weiter zu verbreiten.

20.03.2020

"Unser Rat: Wenn man einen Kettenbrief als solchen identifiziert, sollte man die Verbreitung unterbrechen, sofern der Kettenbrief lediglich Behauptungen und Hörensagen beinhaltet", sagte Andre Wolf dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Inhalte seien eher kontraproduktiv zur Aufklärung in der gegenwärtigen Krise.

Die Kettenbriefe, oft auch in Kombination mit Sprachnachrichten, erfüllten oft Befürchtungen. "Es geht um vermeintliche Interna aus dem Innenministerium, von Nachrichtendiensten oder dem Katastrophenschutz." Der Sinn hinter diesen Informationen sei jedoch fragwürdig und häufig würden sie einfach weitergeleitet, weil man andere Menschen warnen will. "Das Motto 'Lieber einmal zu viel als zu wenig gewarnt' liest man häufig, ohne dass ein Bewusstsein herrscht, dass man unter Umständen übertriebene Ängste aufbaut", kritisiert Wolf von "mimikama - Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Die österreichische Initiative kämpft gegen Falschmeldungen und Gerüchte im Internet.

Unaufgeregte Informationen

Das Gebot der Stunde sei die Entschleunigung, sagte Wolf: "Es empfiehlt sich, die Informationen aus WhatsApp-Mitteilungen mit den Informationen aus seriösen Nachrichtenquellen sowie Behördenmitteilungen zu vergleichen." Das Robert-Koch-Institut, aber auch die Johns Hopkins University in den USA böten unaufgeregte Informationen, ebenso der NDR-Info-Podcast mit dem Chef-Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité.

Die Falschmeldungen und Kettenbriefe zum Coronavirus überstiegen alles, was "mimikama" bisher an quantitativem Auftreten von Falschmeldungen zu einem bestimmten Ereignis beobachtet habe, teilte Wolf weiter mit. Das gelte für Kettenbriefe wie auch für Trollereien oder Verschwörungstheorien. Gerade auf WhatsApp könnten sich Kettenbriefe ideal verbreiten, da der jeweilige Absender einen "Vertrauensvorschuss" innehabe. "Man kennt den Absender, sonst wäre die Rufnummer ja nicht gespeichert. Dadurch neigt man dazu, dieser Person entsprechend eher zu glauben und somit unreflektiert gefährliche Kettenbriefe weiterzuleiten."

Erwachsene über 45 Jahre

Aus der Erfahrung heraus zeige sich, dass speziell Jugendliche häufig einen recht souveränen Umgang mit Kettenbriefen pflegten und diese nicht weiter verbreiteten. Zumeist seien es Erwachsene über 45 Jahre, die auf WhatsApp Kettenbriefe ungeprüft weiterleiteten.

WhatsApp ist ein 2009 gegründeter Nachrichtensofortversand, der seit 2014 zu Facebook gehört. Nutzer können sich unter anderem (Sprach-)Nachrichten, Texte, Bilder und Videodateien schicken und miteinander kommunizieren.