Corona-Krise: Kinderärzte-Präsident warnt vor häuslicher Gewalt

epd-bild/Steffen Schellhorn Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, ruft Familien in der Corona-Krise dazu auf, sich bei Überforderung frühzeitig Hilfe zu suchen.

20.03.2020

"Besonders Eltern, die schon unter normalen Bedingungen an der Grenze sind, und deren Kinder sind jetzt gefährdet", sagte Fischbach dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Köln. Er rät Betroffenen, Angebote der Wohlfahrtsverbände zu nutzen oder das Jugendamt um Unterstützung zu bitten. Weil Schulen und Kitas geschlossen sind, stünden Familien derzeit vor besonderen Herausforderungen. Die Gefahr häuslicher Gewalt steige dadurch.

Fischbach sprach sich zudem erneut gegen ein generelles Großelternverbot aus. "Wenn Oma und Opa nicht älter als 60 Jahre alt sind und gesund, dann dürfen sie die Enkel selbstverständlich weiterhin sehen." Die Großeltern aus der Betreuung herauszuhalten, sei in diesen Fällen nicht nötig.

Feste Tagesstrukturen

Für Kinder sei es wichtig, dass Familien nun eine feste Tagesstruktur beibehalten. Die Kleinen dürften nicht "vor der Glotze geparkt werden", mahnte der Experte. "Eltern sollten nach Möglichkeit die Zeit nutzen, um sich mit ihren Kindern viel zu beschäftigen." Hier liege auch eine Chance in der Corona-Krise: "Die intensive gemeinsame Zeit führt vielleicht zur Wiederentdeckung des Familienlebens."

Der Mediziner appellierte an Eltern, die für alle Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr empfohlene Vitamin-D-Prophylaxe nun auch in dieser von vorübergehenden Einschränkungen geprägten Zeit dringend beizubehalten. Durch zu wenig Sonnenlicht kann ein Vitamin-D-Mangel entstehen, der besonders für kleine Kinder gefährlich ist. "Bis zum zweiten Geburtstag sollten Kinder die Prophylaxe bekommen, für ältere Kinder ist das aber weiterhin nicht nötig", sagte Fischbach.