Presserat erhielt im vergangenen Jahr 2.175 Beschwerden

epd-bild / Matthias Rietschel Der Deutsche Presserat hat im vergangenen Jahr insgesamt 2.175 Leserbeschwerden erhalten. Nur im Jahr 2015 gab es in der Geschichte des Presserats mehr Beschwerden.

23.03.2020

Die Zahl der Leserbeschwerden beim Deutschen Presserat steigt. Das Selbstkontrollorgan erhielt 2019 insgesamt 2.175 Beschwerden, 137 mehr als im Vorjahr, wie aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Jede dritte betraf demnach mögliche Verstöße gegen die Sorgfalt bei der Recherche und bei der Darstellung von Sachverhalten, wobei viele dieser Beschwerden unbegründet gewesen seien. Am häufigsten waren nach wie vor Regionalmedien betroffen. Nur im Jahr 2015 gab es in der Geschichte des Presserats mehr Beschwerden (2.358). Zahlreiche Leserinnen und Leser hatten sich damals wegen der Berichterstattung über den Germanwings-Absturz an das Gremium gewandt.

Der Pressekodex enthält Regeln für die tägliche Arbeit von Journalisten. Der Presserat prüft auf dieser Grundlage Beschwerden gegen Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Bei Verstößen kann das Gremium Sanktionen aussprechen, als schärfste Maßnahme eine öffentliche Rüge.

Diese schärfste Sanktion wurde 2019 häufiger als im Vorjahr benutzt: 34 Rügen erteilten die Beschwerdeausschüsse, 2018 waren es noch 28 gewesen. Die meisten Rügen (14) wurden den Angaben zufolge wegen mangelnder Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung ausgesprochen, gefolgt von Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes (12). Hier habe es sich oft um Verstöße gegen den Opferschutz gehandelt, hieß es.

Entscheidung über Berichterstattung nach Hanau noch offen

Entscheiden wird der Presserat nach eigenen Angaben noch über die Berichterstattung nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Hanau im Februar. Im Mittelpunkt stehe die Frage, ob Medien Material verbreiten dürfen, das von solchen Tätern stammt, da diese mit Videobotschaften, Manifesten oder Live-Übertragungen im Internet bewusst die Öffentlichkeit suchten.

In Bezug auf auf die rechtsextremistischen Anschläge von Halle und Christchurch erteilten die Beschwerdeausschüsse laut Jahresbericht jeweils Rügen für die Veröffentlichung von Ausschnitten der Videos, welche die Täter während ihrer Taten angefertigt und live im Internet gestreamt hatten. Der Presserat sah darin einen schweren Verstoß gegen den Pressekodex, wonach die Medien sich nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen dürfen.

Im hessischen Hanau hatte ein Mann vor einem Monat neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen, einige von ihnen in einer Shisha-Bar. In Halle wurden im Oktober eine Frau und ein Mann von einem Täter erschossen, der ein Blutbad in einer Synagoge geplant hatte. Im neuseeländischen Christchurch hatte vor einem Jahr ein Attentäter bei einem Angriff auf zwei Moscheen 50 Menschen getötet.