PEN-Zentrum ruft zum Verzicht auf Begriff «soziale Distanz» auf

23.03.2020

Mit Blick auf die Kontaktverbote angesichts der Corona-Pandemie hat das deutsche PEN-Zentrum an Politik und Medien appelliert, auf den Ausdruck "soziale Distanz" zu verzichten. Er solle durch Begriffe wie "physische Distanz" oder "körperlicher Abstand" ersetzt werden, forderte das Zentrum am Montag in Darmstadt. "Soziale Distanz" klinge "wie ein Begriff aus dem Wörterbuch des Neoliberalismus", sagte PEN-Präsidentin Regula Venske: "Wir alle aber wissen, dass jetzt soziale Nähe gefragt ist: Kooperation, Verantwortung füreinander."

"Man mag sagen, dass es derzeit dringlichere Probleme gibt, als Worte auf die Goldwaage zu legen", erklärte Venske weiter. "Aber Sprache prägt unser Denken und unser Verhalten." Im Englischen bedeute das Wort "social" heute vor allem "gesellig" und erst in zweiter Linie das, wofür "sozial" im Deutschen stehe, nämlich für gesellschaftliche Werte wie Gemeinsinn und Solidarität. "Social distancing mag also angehen", sagte die PEN-Präsidentin. "Soziale Distanz" sei aber in der Corona-Krise gerade nicht geboten.