Logopäden-Prozess wird trotz Corona-Pandemie fortgesetzt

epd-bild/Heike Lyding Trotz der Corona-Pandemie soll der Missbrauchsprozess gegen einen Logopäden am Würzburger Landgericht am Mittwoch wie geplant fortgesetzt werden.

24.03.2020

Die Zahl der Zuschauer- und Presseplätze sei aber nach den Abstandsempfehlungen des Robert Koch-Instituts deutlich reduziert worden, teilte das Gericht am Dienstag in Würzburg mit. Statt wie bisher 25 dürfen nun nur noch acht Pressevertreter sowie 14 Zuschauer der Verhandlung im Schwurgerichtssaal folgen. Der 38-jährige Logopäde muss sich seit dem 5. März unter anderem wegen mutmaßlichen 66-fachen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verantworten.

Auch am Mittwoch sei aber ohnehin damit zu rechnen, dass die Öffentlichkeit zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der möglichen Opfer ausgeschlossen werde, teilte das Gericht weiter mit. Dies sei auch an den bisherigen Verhandlungstagen so gehandhabt worden. Bislang sind bis Ende April mehrere Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Ob dann auch bereits ein Urteil fällt, ist noch nicht absehbar.

Bilder und Videos angefertigt

Der Beschuldigte soll sich unter anderem in zwei evangelischen Kitas an sieben teils schwerbehinderten Jungen zwischen zwei und sechs Jahren vergangen haben. Von seinen Taten fertigte der Mann Bilder und Videos an, die er über das sogenannte Darknet verbreitete. Der Logopäde war nach Razzien in seinen Praxen und seiner Wohnung festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. In Folge der Ermittlungen haben die Behörden weitere Tatverdächtige in ganz Europa ausfindig gemacht.

Der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hatte angesichts der Corona-Pandemie vergangene Woche den Gerichten im Freistaat die "Konzentration auf die Kernbereiche und Reduzierung der öffentlichen Verhandlungen auf das Nötigste, insbesondere auf eilbedürftige und dringende Fälle" empfohlen. Ob angesetzte Verfahren an den einzelnen Gerichten weiter stattfinden, können die Richterinnen und Richter vor Ort entscheiden.