Starke Zunahme bei Kinderpornografie und Missbrauch

epd-bild / Steffen Schellhorn Die Verbreitung von Kinderpornografie hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Es wurden auch mehr Missbrauchsfälle registriert. Der Missbrauchsbeauftragte Rörig zeigt sich besorgt und ruft dazu auf, Anzeichen für sexuelle Gewalt ernst zu nehmen.

24.03.2020

Die Polizei hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs und der Verbreitung von Kinderpornografie registriert. Die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern stieg 2019 um rund 65 Prozent, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Registriert wurden demnach 12.262 Fälle. Fälle von Kindesmissbrauch summierten sich im vergangenen Jahr auf 13.670. Das bedeutete einen Anstieg um elf Prozent. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) nannte die Zunahme sexueller Missbrauchstaten "erschreckend". Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zeigte sich äußerst besorgt.

Fälle von Verbreitung, Besitz oder Herstellung jugendpornografischer Schriften stiegen der Statistik zufolge um 24 Prozent auf insgesamt 1.991. Die Zunahme im Bereich Kinderpornografie bezeichnete Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als "dramatisch", betonte aber zugleich, dies sei auch dadurch zu erklären, dass mehr Fälle vom Dunkel- ins Hellfeld gerückt worden seien. Die Zusammenarbeit mit der US-Organisation NCMEC und deutschen Internetbeschwerdestellen habe zu deutlich mehr Hinweisen und Ermittlungsansätzen geführt.

Kinder schützen

Justizministerin Lambrecht erklärte, durch größere Wachsamkeit, internationalen Austausch und verstärkte Ermittlungen rückten die Taten stärker in den Fokus als in der Vergangenheit. "Wir arbeiten mit allem Nachdruck daran, Kinder wirkungsvoll zu schützen", versicherte sie und verwies auf die jüngsten Gesetzesänderungen, die Ermittlern mehr Möglichkeiten geben und soziale Netzwerke verpflichten, Hinweise auf kinderpornografische Inhalte an das Bundeskriminalamt zu melden.

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig erklärte, die großen Herausforderungen durch die Corona-Krise dürften nicht dazu führen, dass die Gefährdung von Kindern übersehen werde. Die Einschränkung des öffentlichen Lebens könne die Gefahr für Gewalt in Familien und für sexuellen Kindesmissbrauch erhöhen, sagte er. Es sei wichtiger denn je, nicht wegzuschauen, sondern zu handeln, wenn man einen Verdacht habe.

Anstrengungen reichen nicht aus

Die Kriminalstatistik dokumentiere "auch für das Jahr 2019 unendliches Leid von Kindern und Jugendlichen durch sexuelle Gewalt", erklärte Rörig. Die Zahlen seien ein deutliches Zeichen dafür, dass die bisherigen Anstrengungen im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch nur schleppend vorankämen und nicht ausreichten, bilanzierte der Beauftragte.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet insgesamt trotz Bevölkerungszunahme für das Jahr 2019 einen Rückgang der Kriminalität um 2,3 Prozent. Herausgerechnet sind dabei ausländerrechtliche Verstöße wie der Aufenthalt ohne entsprechende Erlaubnis. Seehofer und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Thüringener Ressortchef Georg Maier (SPD), betonten als zweiten Schwerpunkt im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung den Kampf gegen Rechtsextremismus.

Größte Bedrohung im Land

Die rechtsextrem motivierten Anschläge hätten gezeigt, dass sich die Szene weiter radikalisiere, sagte Maier. Seehofer betonte erneut, der Rechtsextremismus sei derzeit die größte Bedrohung im Land.

Die Kriminalitätsstatistik enthält keine aufgeschlüsselten Daten zu politisch motivierter Kriminalität, sogenannten Staatsschutzdelikten. Diese werden in aller Regel gesondert vorgestellt. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Statistik in diesem Jahr nicht wie üblich bei einer Pressekonferenz erläutert, sondern mit Bewertungen im Internet veröffentlicht.