Giffey verweist auf Telefon- und Onlinehilfe in Corona-Krise

epd-bild/Christian Ditsch Inmitten der Sorge um eine Zunahme häuslicher Gewalt in der Corona-Krise will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) telefonische Hilfen ausbauen.

25.03.2020

Beratungsangebote wie die "Nummer gegen Kummer" (Rufnummer 116 111) für Kinder und Jugendliche und das Elterntelefon (0800 111 0550) würden verstärkt, sagte Giffey den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). "Diese können in Krisensituationen ein Rettungsanker sein." Im Internet sollten zudem niedrigschwellige Hilfsangebote ausgebaut werden, etwa per E-Mail und in Chatforen.

"Sorgen um die Gesundheit, Existenzängste, wenig Ablenkungsmöglichkeiten und viel Zeit auf engem Raum können für Familien zur enormen Belastung werden", betonte Giffey. Druck und Konflikte könnten gerade in ohnehin besonders belasteten Familien auch in Gewalt gegen Kinder und Jugendliche münden.

Gewalt nimmt zu

Das Deutsche Kinderhilfswerk bekräftigte: "Viele Familien werden an ihre Grenzen geraten, vor allem wenn zusätzliche Stressfaktoren zusammenkommen." Fälle von psychischer und körperlicher Gewalt gegen Kinder würden aber in den nächsten Wochen quer durch die Gesellschaft deutlich zunehmen, warnte Geschäftsführer Holger Hofmann in den Funke-Zeitungen, "nicht nur dort, wo Familien bereits vorher schon auffällig waren". Auch zunehmende Gewalt gegen Frauen wird befürchtet.

Mit Blick auf wachsende Spannungen in Familien fordert das Kinderhilfswerk größeren Einsatz der Jugendämter: "Wir beobachten mit Sorge, dass viele Jugendämter gerade ihr Angebot herunterfahren. Viele sind schon gar nicht mehr erreichbar. Das ist gefährlich", sagte Hofmann. Die Jugendämter dürften jetzt auf keinen Fall ihr Angebot reduzieren. "Genauso, wie die Kliniken die Zahl der Intensivbetten steigern, müssen auch die Jugendämter jetzt ihr Angebot ausweiten." Auch die Zahl der Notunterkünfte für gefährdete Kinder und Jugendliche müsse deutlich steigen.