Barley: EU-Staaten haben zu Beginn der Corona-Krise versagt

epd-bild/Juergen Blume Die SPD-Politikerin Katarina Barley hat den EU-Staaten Versagen zu Beginn der Corona-Krise vorgeworfen.

25.03.2020

Das Verhalten der Staats- und Regierungschefs habe "den Namen europäisch nicht verdient", sagte Barley mit Blick auf den Ausbruch der Pandemie in Europa vor wenigen Wochen am Mittwoch per Videoschalte aus Amsterdam. Es habe kaum Absprachen oder Hilfen der Mitgliedstaaten untereinander gegeben, erklärte die frühere Bundesministerin und jetzige Europaabgeordnete.

Enttäuschung in Italien

"Jeder hat an sich gedacht, das tut dem europäischen Solidaritätsgedanken nicht gut", sagte Barley. Als Reaktion spüre sie nun "viel Gegenwind gegen die EU", besonders in Italien sei die Enttäuschung groß. Inzwischen habe sich die Zusammenarbeit aber gebessert, wovon etwa die Behandlung italienischer und französischer Patienten in deutschen Kliniken zeuge.

Barley forderte vor diesem Hintergrund, mehr Zuständigkeiten auf die EU-Ebene zu verlagern. Brüssel besitzt auf den für die Corona-Krise maßgeblichen Feldern wie Grenzkontrollen und Gesundheit wenig Kompetenzen. Die Europaabgeordnete räumte zugleich ein, dass die EU-Kommission zu Beginn der Corona-Krise noch nicht einmal mit ihren aktuellen Kompetenzen gut agiert habe. "Was man hätte tun können, wäre zumindest früher eine koordinierende Funktion wahrzunehmen - das ist nicht passiert."