«Zeit Online» erhält Big-Brother-Award

epd-bild/Werner Krüper Das Internetportal der Wochenzeitung "Die Zeit" wird für mangelnden Datenschutz kritisiert.

05.06.2019

"Zeit Online", das Internetportal der Wochenzeitung "Die Zeit", erhält den Negativpreis Big-Brother-Award für problematischen Datenumgang. Das teilte die Chefredaktion von "Zeit Online" in dem Transparenzblog "Glashaus" mit. Dort veröffentlichte sie auch die Kurz-Begründung zum Negativpreis und wies diese in Teilen zurück. Am Samstag wird der Negativpreis Big-Brother-Award der Datenschützer-Initiative Digitalcourage in mehreren Kategorien bei einer Gala in Bielefeld vergeben. "Zeit Online" erhält die Negativ-Auszeichnung nach eigenen Angaben in der Kategorie Verbraucherschutz.

Die Bielefelder Datenschützer-Initiative wirft dem Portal demnach den Einsatz von Werbetrackern vor. Damit können die Seitenaufrufe der Besucher registriert werden und den Nutzern speziell auf sie zugeschnittene Werbung präsentiert werden. Zudem wird die Nutzung von Google-Diensten bei dem Projekt "Deutschland spricht" kritisiert, das Personen mit unterschiedlichen Haltungen zusammenbringen soll. Damit könnten politische Ansichten von Menschen auf Servern der USA gespeichert werden, heißt es in der von "Zeit Online" veröffentlichen Kurzbegründung von Digitalcourage. Kritisiert wird auch, dass ein Nebenprojekt der Diskussionsplattform "Deutschland spricht" von Google finanziert worden sei. Dieser "faustische Pakt" beschädige die journalistische Unabhängigkeit, heißt es.

Chefredaktion weist Vorwürfe zum Teil zurück

Auf dem Portal weist die Chefredaktion von "Zeit Online" die Vorwürfe zum Teil zurück. Das Projekt "Deutschland spricht" sei eine Eigenentwicklung mit einem aufwendigen Sicherheits- und Datenschutzkonzept. "Google-Dienste werden dafür nicht genutzt", erklärte die Chefredaktion. Lediglich der erste Testlauf im Jahr 2017 habe unter anderen einen Dienst von Google-Apps verwendet, um Daten zu speichern. Eine Nutzung dieser Daten durch Google sei vertraglich ausgeschlossen worden. Einen faustischen Pakt gebe es nicht, "unsere Seele gehört uns".

"Zeit Online" räumte ein, eine Reihe von Werbetrackern zu nutzen. Diese mache das Portal jedoch über einen Link sichtbar. Die individualisierte Werbung lasse sich zudem abschalten.

Der deutsche Big-Brother-Award wird seit dem Jahr 2000 jährlich vom Verein Digitalcourage gemeinsam mit weiteren Bürgerinitiativen ausgeschrieben. Eine Jury aus Menschenrechtlern, Computerexperten sowie Daten- und Verbraucherschützern wählt die Preisträger aus.