Vorwurf der Volksverhetzung: Prozess gegen Kasseler Biologen beginnt

05.06.2019

Die Staatsanwaltschaft warf dem Lehrstuhlinhaber der Universität Kassel vor, am 5. Juli 2017 im österreichischen Internetportal "kath.net" unter dem Vorwand "biowissenschaftlicher Fakten" homosexuellen Personen eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern vorgeworfen zu haben. Die Homo-Ehe eröffne "ein mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario", über das man nicht weiter nachdenken wolle, heißt es in einem Interview.

Der Angeklagte steht laut Staatsanwaltschaft damit in Verdacht, "zumindest billigend in Kauf genommen zu haben, dass seine Äußerungen geeignet waren, Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare im Besonderen in ihrer Geltung und ihrem Ansehen gegenüber heterosexuellen Mitmenschen als ungleichberechtigte Personen herabzuwürdigen und zu verletzen".

Zwei Anzeigen

Die Verteidigung zeichnete ein komplett anderes Bild von dem Angeklagten. Er trete grundsätzlich dafür ein, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht diskriminiert werden dürften. In dem Interview habe er nur biologische Fakten verwendet, die nicht herwürdigend verstanden werden dürften, hieß es. Auch sei er der Überzeugung, dass Homosexualität keine Krankheit und deshalb auch nicht therapierbar sei.

Der Kasseler Professor war von zwei Personen angezeigt worden. Einer von ihnen, ein Arzt und Psychotherapeut aus Berlin, trat vor dem Gericht als Zeuge auf. Er hielt dem Angeklagten vor, auf dem Gebiet der menschlichen Biologie inkompetent zu sein, er sei lediglich Pflanzenbiologe. Der Prozess wird fortgesetzt.