Studie: Zwei Drittel der Indianer-Schutzgebiete im Amazonas gefährdet

epd-bild/Alberto Veiga Infrastrutkurprojekte gefährden die Lebensgrundlage der Indianer im Amazonas-Gebiet. Eine Studie verdeutlicht das Ausmaß der Bedrohung.

06.06.2019

Mehr als 68 Prozent der von Ureinwohnern bewohnten Schutzgebiete im brasilianischen Amazonas-Gebiet sind durch Abholzung und Bergbau in Gefahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichte Studie des Instituts Socioambiental zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen, wie das Nachrichtenportal "O Globo" berichtete. Rund 390 Millionen Hektar sind aktuell als Schutzgebiete für Ureinwohner im Amazonas ausgewiesen. Das entspricht rund 62 Prozent des gesamten Regenwaldes, der sich auch über die Grenze nach Ecuador, Kolumbien, Bolivien, Peru, Surinam und Französisch-Guayana erstreckt.

Drohungen der Bergbauindustrie

Vor allem Infrastrukturprojekte wie der Bau von Wasserkraftwerken oder die Förderung von Bergbau und illegaler Abholzung des Regenwaldes bedrohen die Lebensgrundlage der Indianer. Die Wissenschaftler führen auf, dass insbesondere der Ausbau des staatlich geförderten Straßen- und Schienennetzes von derzeit 26.000 Kilometern auf 136.000 Kilometern quer durch den Amazonas eine der größten Gefahren für die Existenz der indianischen Gemeinden sei. Außerdem übe die Bergbauindustrie Druck auf die Ureinwohner aus. 22 Prozent der Gemeinden hätten bereits Drohungen und Aggressionen von Verantwortlichen für Bergbauprojekte erlebt, heißt es in der Studie. Minenunternehmen seien für einen großen Teil der illegalen Abholzungen des Regenwaldes und für die Vertreibung von indianischen Gemeinden verantwortlich.

Der rechtsextreme brasilianische Präsident Jair Bolsonaro will den Amazonas zur wirtschaftlichen Ausbeutung freigeben, worauf die Agrar- und die Minenindustrie drängen. In Brasilien befindet sich rund die Hälfte aller weltweit geschützten Flächen, fast ein Drittel des Landes zählt dazu. Dennoch hat die illegale Abholzung des Amazonaswaldes in den vergangenen Jahren wieder erschreckende Ausmaße erreicht. Insgesamt leben dort etwa 436 indigene Stämme auf 1,2 Millionen Quadratkilometern, einer Fläche, die zweimal so groß wie Frankreich ist. Sie sind durch die Pläne Bolsonaros direkt in ihrer Existenz bedroht.