Ex-Krankenpfleger Högel zu lebenslanger Haft verurteilt

epd-bild/Julian Stratenschulte/dpa-Pool Das Urteil im Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel ist gefallen.

06.06.2019

Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel muss lebenslänglich ins Gefängnis. Das Landgericht Oldenburg befand ihn in 85 Fällen des Mordes für schuldig, in 15 weiteren Fällen wurde er freigesprochen. Außerdem wurde im größten Serienmordprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte eine besondere schwere Schuld des 42-Jährigen festgestellt. (AZ: 5Ks 1/18).

Högel bat um Entschuldigung

Laut Anklageschrift soll Högel zwischen 2000 und 2005 insgesamt 100 Patienten vergiftet haben: in Oldenburg 36 und in Delmenhorst 64. Er soll ihnen Medikamente verabreicht haben, die zum Herzstillstand führten, um sie anschließend reanimieren zu können und vor Kollegen als kompetenter Retter zu glänzen. Im Laufe des Prozesses räumte er 43 Morde ein. Vor drei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft in 97 Fällen gefordert. In drei Fällen sei der Angeklagte mangels ausreichender Beweise freizusprechen.

Die Verteidigung plädierte hingegen am Mittwoch auf eine Verurteilung in 55 Fällen wegen Mordes und in 14 Fällen wegen versuchten Mordes. In 31 Fällen verlangte sie einen Freispruch. Zudem sprachen sich die Verteidigerinnen Ulrike Baumann und Kirsten Hüfken gegen eine anschließende Sicherungsverwahrung ihres Mandanten aus. Der Angeklagte nutzte am Mittwoch sein letztes Wort im Prozess, um bei Angehörigen der Opfer, Kollegen und seiner Familie um Entschuldigung zu bitten: "Ich wünsche mir für Sie alle, dass Sie nach dem abschließenden Urteil Frieden finden können." Wegen weiterer Taten verbüßt Högel bereits eine lebenslange Haftstrafe.