Gericht beendet Anhörungen im Berufungsverfahren gegen Kardinal Pell

epd-bild/Romano Siciliani Im Berufungsverfahren gegen Kardinal Pell nach dessen Verurteilung wegen Missbrauchs zweier Jungen steht das Urteil noch aus.

06.06.2019

Im Berufungsverfahren gegen den wegen Missbrauchs verurteilten australischen Kardinal George Pell haben die Richter die zweitätige Anhörung am Donnerstag in Melbourne ohne eine Entscheidung beendet. Wann ein Urteil ergeht, ist noch unklar, berichteten englischsprachige Medien.

Pell war im Dezember von einem Geschworenengericht wegen Missbrauchs zweier Jungen schuldig gesprochen und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seit Februar sitzt er in Haft. Der ehemalige "Finanzminister" des Vatikans hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Verteidigung beklagt Verfahrensfehler

Die Verteidigung äußerte im Berufungsverfahren erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers und Zeugen, auf dessen Aussage die Verurteilung beruht. Zudem beruft sie sich auf Verfahrensfehler in der ersten Instanz. Der Verteidiger hatte das einzige der beiden noch lebenden Opfer als "Lügner" bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft betonte den Angaben zufolge, der Zeuge sei glaubhaft.

Der Staatsanwalt nannte am Donnerstag versehentlich den Namen des Opfers und Belastungszeugen. Die mit 15 Sekunden Verzögerung ausgestrahlte Live-Übertragung der Anhörung auf der Internetseite des Gerichts wurde jedoch gestoppt, bevor der Name zu hören war. Die Namen von Opfern dürfen in Gerichtsverfahren nicht öffentlich genannt werden.

Das Gericht in Melbourne kann die Verurteilung aufheben, sollte es der Argumentation der Verteidigung folgen. Sollte es das Urteil der ersten Instanz nicht bestätigen, könnte es auch ein neues Verfahren gegen den ranghöchsten Geistlichen anordnen, der bislang wegen Missbrauchs verurteilt wurde.