Presserat rügt Veröffentlichung von Christchurch-Video

07.06.2019

Mit der Veröffentlichung habe die Redaktion dem Täter genau die öffentliche Bühne geboten, die er haben wollte, teilte das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse am Freitag in Berlin mit. "Bild.de" habe somit gegen eine Richtlinie des Pressekodexes verstoßen, wonach sich die Presse nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen darf.

Das Online-Portal habe zwar unter der Schlagzeile "17 Minuten Mordfeldzug" nicht die Taten selbst, sondern den mutmaßlichen Mörder auf dem Weg zu den Moscheen und beim Laden seiner Waffe gezeigt. Diese Bilder reichten jedoch, Assoziationen zu erzeugen, die weit über das berechtigte öffentliche Interesse an dem Geschehen hinausgingen.

Dramatisierende Schilderung

Auch die detaillierte, dramatisierende Schilderung und drastische Bebilderung im Begleittext zum Video bedienten nach Ansicht des Beschwerdeausschusses überwiegend Sensationsinteressen.

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch waren am 15. März 50 Menschen erschossen und weitere 50 verletzt worden. Als Täter gilt ein 28-jähriger mutmaßlicher Rechtsextremist aus Australien, der sich in Untersuchungshaft befindet.