Norddeutsche Realisten malen Warschau

epd-bild/Jens Mattern Die Norddeutschen Realisten porträtieren seit Donnerstag die polnische Hauptstadt Warschau. Auf Einladung der Botschaft malen fünf Künstler der Gruppe jeden Tag an einem anderen Ort.

07.06.2019

Die Einladung an die Freilichtmaler sei ein Geschenk an Polen anlässlich des 100. Unabhängigkeitsjubiläums des Landes im vergangenen Jahr, sagte Fried Nielsen, Kulturreferent und Gesandter der Deutschen Botschaft, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Warschau. Die Bilder werden am 14. Juni im Palast des Warschauer Lazienki-Parks ausgestellt.

Die Norddeutschen Realisten wurden 1991 als Künstlergruppe von dem Maler Nikolaus Störtenbecker ins Leben gerufen. Die Mitglieder der Vereinigung, die "en plein air" (im Freien) und gegenständlich malen, wurden mehrfach ausgezeichnet. "Wir stellen uns einem Thema gemeinsam", sagte André Krigar, der seit 1992 Mitglied der Gruppe ist und häufig das turbulente Stadtleben in seinen Bildern aufgreift. Warschau sei "dynamisch und laut" und erinnere an Berlin.

Beliebte Orte werden eingefangen

"Da ich von der Farbe ausgehe, kann ich das nur vom direkten Sehen her entwickeln", erklärte Meike Lipp den Vorzug der Freilichtmalerei. Die Künstler malen unter anderem den belebten Kreisverkehr Charles de Gaulle in Warschau mit Ölfarben. Tobias Duwe, der sich mit seiner Staffelei direkt an die stark befahrene Straße gestellt hat, stören Krach, Hektik und Menschen, die ihn ansprechen, nicht: "Das ist Teil der Pleinairmalerei." Auch die Deutsch-Polnischen Gärten, ein gemeinsames Projekt der Stadt Warschau und der Deutschen Botschaft, werden von den fünf Künstlern abgebildet. Der "völkerverbindenden Freundschaftsgarten" befindet sich in einem Park im Ostteil der Stadt.

Die Norddeutschen Realisten übernehmen zusammen immer wieder Aufträge im In- und Ausland. So malten sie bereits im Bundesrat, im Landtag von Schleswig Holstein, in Werften, an Bord der Gorch Fock und in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs am Hartmannsweiler Kopf.

Das historische Jubiläum hat Polen bereits 2018 gefeiert. Vor hundert Jahren erlangte der polnische Staat 1918 nach 123 Jahren der Teilung durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland seine Unabhängigkeit zurück. Am 11. November begann dann die Zweite Polnische Republik, der Polnische Unabhängigkeitstag ist heute Nationalfeiertag.