Spahn will Verbot von Konversionstherapien auf den Weg bringen

epd-bild/Christian Ditsch "Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht behandlungsbedürftig", erklärte der Bundesgesundheitsminister.

11.06.2019

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will noch in diesem Jahr ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung auf den Weg bringen. "Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht behandlungsbedürftig", sagte Spahn am Dienstag in Berlin. Zuvor waren zwei wissenschaftliche Gutachten und eine seit April tagende Fachkommission aus 46 Vertretern aus Politik und Wissenschaft zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solches Verbot aus medizinischer Sicht geboten und auch rechtlich möglich sei.

Der Minister will noch vor der Sommerpause mit dem Justizministerium in Verbindung treten, um die Einzelheiten eines Gesetzes zu besprechen. So muss etwa geklärt werden, was als Ordnungswidrigkeit behandelt wird und welche Maßnahmen gegebenenfalls auch strafrechtlich verfolgt werden. Spahn stellte klar, dass eine pauschale Geldbuße von 2.500 Euro bei fortgesetztem Zuwiderhandeln seiner Meinung nach nicht ausreichend sei. Der Münchner Jurist Martin Burgi sagte, dass Verbotsregelungen verfassungsrechtlich möglich seien - teilweise auch eine Verankerung des Verbots im Strafrecht.

Stiftung: 1.000 Fälle jährlich

Der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh-Barthel, betonte, dass das Ausmaß sogenannter Konversionstherapien viel größer sei als bislang angenommen. Er ging von 1.000 Fällen in Deutschland pro Jahr aus. Die Stiftung befasst sich mit der Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Litwinschuh-Barthel sagte, bei einer Konversionstherapie werde häufig ein Vertrauensverhältnis perfide ausgenutzt. Das geschehe bei Psychotherapeuten, in Religionsgemeinschaften und reiche bis hin zum Exorzismus.

Nach Angaben des Hamburger Sexualforschers Peer Briken gibt es eindeutige Belege für die negativen Folgen solcher vermeintlichen Therapien. Die Betroffenen litten danach häufig unter Depressionen, manche hätten sogar Selbstmordgedanken.