Bauhaus-Archiv bekommt Zuwachs

epd-bild/Jürgen Blume Für die weltweit größte Sammlung des Bauhauses entsteht in Berlin ein spektakulärer Bau. Die Eröffnung ist für 2022 vorgesehen.

11.06.2019

Zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses hat am Dienstag in Berlin die Sanierung und Erweiterung des Bauhaus-Archivs begonnen. Geplant ist unter anderem ein fünfgeschossiger Glasturm als Erweiterungsbau. Er soll künftig mehr Raum für Ausstellungen des angeschlossenen Museums für Gestaltung bieten. Die Eröffnung ist für 2022 geplant.

Das Bauhaus-Archiv besitzt die weltweit größte Sammlung zur Geschichte und Wirkung des Bauhauses. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nannte das geplante Gesamtensemble zum offiziellen Spatenstich ein angemessenes Forum für die Auseinandersetzung mit dem Vermächtnis des Bauhauses. Das von 1919 bis 1933 bestehende Bauhaus gilt als einflussreichste Schule für Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die Baukosten liegen den Angaben zufolge bei 64,3 Millionen Euro. Davon trägt der Bund mit 29,4 Millionen Euro knapp die Hälfte der Kosten, den Rest übernimmt das Land.

Mehr Besucher

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte, er hoffe nach der Fertigstellung auf einen deutlichen Besucheranstieg im Bauhaus-Archiv. Zuletzt wurden mehr als 120.000 Besucher im Jahr gezählt (2017), davon 80 Prozent aus dem Ausland. Das noch von Bauhaus-Direktor Walter Gropius (1883-1969) entworfene Gebäude des Bauhaus-Archivs steht unter Denkmalschutz und befindet sich direkt am Berliner Landwehrkanal. Es wurde 1979 eröffnet und vor einem Jahr wegen der anstehenden Sanierungs- und Bauarbeiten vorübergehend geschlossen.

Bis zur Wiedereröffnung präsentiert sich das Archiv am temporären Standort im Haus Hardenberg in der Knesebeckstraße in Berlin-Charlottenburg. Das Gebäude des Bauhaus-Archivs wurde bereits 1964 von Walter Gropius entworfen und sollte eigentlich in Darmstadt errichtet werden.

Das Archiv besitzt eine umfangreiche Sammlung von Produkten aus allen Werkstätten und Phasen des Bauhauses: Möbel, Lampen, Metallarbeiten, Keramik und Textilien. Hinzu kommen eine große Architektursammlung, die grafische Sammlung sowie Gemälde und Plastiken der Lehrer und Studierenden des Bauhauses. Zahlreiche Fotografien und Dokumente spiegeln das Leben am Bauhaus wider.

Sockel mit Glasturm

Der geplante Erweiterungsbau besteht den Angaben zufolge zum größten Teil aus einem U-förmigen Sockelbauwerk mit Ausstellungsflächen von rund 2.000 Quadratmetern sowie Depots, Foyer und Technikzentralen. Auf diesem Sockel soll ein fünfgeschossiger "Glasturm" errichtet werden. Ein langgestreckter zweigeschossiger Gebäuderiegel soll den entstehenden Platz zur Straße hin abschirmen. Mit dem Rohbau für das Museumsgebäude soll voraussichtlich Anfang 2020 begonnen werden.

Zu den Beständen des Bauhaus-Archivs zählt auch der private Nachlass von Walter Gropius. Außerdem sind Arbeiten von Paul Klee, Ludwig Mies van der Rohe, Lyonel Feininger und anderen archiviert. Grund für Sanierung und Erweiterung war zuletzt auch das gestiegene Publikumsinteresse am Bauhaus-Archiv, hieß es.

Grütters sagte beim Spatenstich, sie würde sich freuen, wenn das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung in die institutionelle Förderung des Bundes aufgenommen würde. Sowohl das Bauhaus Dessau als auch das Bauhaus Weimar werden bereits vom Bund institutionell gefördert. Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) verwies darauf, dass das Land Berlin bereits 8,1 Millionen Euro Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Planung übernommen hat.