Prüfbericht: Kleriker-System in Eichstätt ermöglichte Finanzskandal

epd-bild/Timo Lechner Im Finanzskandal im Bistum Eichstätt ist am Dienstag ein unabhängiger Prüfbericht vorgestellt worden. Ein "ausgeprägter Klerikalismus" ist demnach mitverantwortlich für die Spekulationen. Gegen einen ehemaligen Mitarbeiter wird weiter ermittelt.

05.02.2019

Ein langjähriges "System Eichstätt" hat laut einem unabhängigen Prüfbericht zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt die verlustreichen US-Immobiliengeschäfte erst ermöglicht. Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl nannte bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag einen "ausgeprägten Klerikalismus" als Mitursache für die Taten des früheren stellvertretenden Finanzdirektors der Diözese und seines US-Geschäftspartners.

In dem Papier ist die Rede von einem "engen Zirkel hochrangiger Kleriker", die in Finanzfragen fachlich inkompetent seien, sämtliche Macht- und Schaltstellen besetzt hielten und sich zugleich selbst kontrollierten. Sie hätten ihre Leitungsmacht "ohne Wenn und Aber" verteidigt. Dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke spricht der Bericht eine Mitverantwortung zu, weil er die Strukturen in der Finanzverwaltung nicht umfassend reformiert habe.

Verheerender Imageschaden

Hanke schloss Hanke am Dienstag einen Rücktritt aus, er werde Verantwortung übernehmen und sich den Problemen stellen, sagte er. Er wolle den Transparenzprozess "weiter durchziehen". Der Finanzskandal habe einen verheerenden Imageschaden für die Kirche angerichtet, sagte Hanke. Die Vorgänge seien "zutiefst beschämend". Hanke ist seit 2006 Bischof im Bistum Eichstätt mit seinen rund 400.000 Katholiken.

Der Kirchenrechtsprofessor an der Universität Münster, Thomas Schüller, hatte Hanke einen Amtsverzicht nahegelegt. Dies sei die einzig denkbare Antwort auf den Prüfbericht, sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch). Der Bischof habe bis zum Aufkommen des Finanzskandals "die Dinge laufen lassen".

Generalvikar Isidor Vollnhals, der demnächst in den Ruhestand geht, stellt der Prüfbericht ebenfalls kein gutes Zeugnis aus. Der Generalvikar sei für die Aufsicht über die Finanzkammer verantwortlich gewesen, sei aber fachlich und auch wegen seiner hohen Arbeitsbelastung in pastoralen Dingen nicht dazu in der Lage gewesen zu kontrollieren.

Dubiose Finanzgeschäfte

Die beiden mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Risikogeschäfte, den ehemaligen Mitarbeiter und seinen amerikanischen Komplizen, hat die Diözese angezeigt. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zögen sich noch eine Weile hin, sagte Wastl. Als weiterer mutmaßlicher Täter trete nun immer mehr der frühere Finanzdirektor und Domdekan ins Blickfeld. Er sei keineswegs getäuscht worden, als er 31 Kreditverträge in Gesamthöhe von 60 Millionen US-Doller unterschrieb. Er selbst verantwortete zudem 2012 wohl eine Investition von fünf Millionen Euro in ein Frachtschiffgeschäft, das inzwischen nichts mehr wert ist.

Dieser Deal steht auch in Zusammenhang mit einer Luxus-Reise des Finanzdirektors und seines Stellvertreters nach Manila für geschätzte 20.000 Euro. Außerdem sei im Zuge der Transparenzoffensive ein Konto aufgetaucht, auf dem 50.000 Euro zur Verfügung des Domdekans lagen, deren Herkunft und Verwendung noch nicht abschließend geklärt sind.

Die Diözese hat aus Geschäften im US-amerikanischen Dallas in Höhe von 60 Millionen US-Dollar lediglich sechs Millionen Dollar zurückerhalten. Im Falle eines Geschäfts über zwei Millionen Euro hat das Bistum jetzt in den USA Klage eingereicht, erklärte Wastl. Anfang 2018 war bekanntgeworden, dass zwischen 2014 und 2016 mit Kirchengeldern diese dubiosen Finanzgeschäfte getätigt worden waren.