Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zeugen im Högel-Prozess

epd-bild/Mohssen Assanimoghaddam/dpa-Pool Im Prozess um den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel ermittelt die Oldenburger Staatsanwaltschaft gegen Zeugen wegen Meineids und Falschaussage.

07.02.2019

Es bestünden Zweifel am Wahrheitsgehalt von Aussagen, sagte Oberstaatsanwalt Martin Koziolek am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ermittelt wird in vier Fällen wegen Meineids und gegen eine Person wegen Falschaussage.

Einem Bericht der Oldenburger "Nordwest Zeitung" zufolge handelt es sich bei den Zeugen um einen leitenden Oberarzt, einen stellvertretenden Stationsleiter und zwei Krankenschwestern des Oldenburger Klinikums. Die Zeugen hatten sich im Gerichtsprozess teils auf erhebliche Erinnerungslücken berufen. Sie wollten viele Details weder bestätigen noch abstreiten. Dies sorgte sowohl unter den Opfer-Angehörigen als auch bei den Anwälten der Nebenkläger für Unmut.

Vereidigung der Zeugen

Laut Oberstaatsanwalt Koziolek entscheidet das Gericht angesichts der Wichtigkeit der Aussage über eine Vereidigung der Zeugen. Bei einer Verurteilung wegen Meineids sei mit einem Strafmaß ab einem Jahr zu rechnen, die Freiheitsstrafe für eine Falschaussage liegt bei drei Monaten bis zu fünf Jahren. Oft werde zunächst die Hauptverhandlung abgewartet, um mögliche rechtskräftige Feststellungen zu verwenden.

Högel werden in dem Verfahren 100 Morde zur Last gelegt. Laut Anklageschrift soll er den Patienten Medikamente gespritzt haben, die zum Herzstillstand oder zu Kammerflimmern führten. Anschließend versuchte er, sie wiederzubeleben, um als rettender Held dazustehen. Der frühere Krankenpfleger hat im Verlauf des Prozesses, der Ende Oktober begann, 43 Mordfälle eingeräumt. Fünfmal wies er die Anschuldigung zurück. An die weiteren Patienten könne er sich nicht erinnern, sagte er. Wegen weiterer Taten verbüßt Högel bereits eine lebenslange Haftstrafe.