Forscher: Munition vom Meeresboden reichert sich in Fischen an

epd-bild / Stefan Arend Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Grund der Ostsee lagernde Munition schädigt die Umwelt nach Angaben von Wissenschaftlern auch Jahrzehnte nach der Versenkung.

07.02.2019

Spuren der Munition seien in Fischen nachgewiesen worden, teilten das Thünen-Institut in Braunschweig und das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven am Donnerstag mit. Das gelte gleichermaßen für Abbauprodukte des Sprengstoffs TNT wie auch für arsenhaltige chemische Kampfstoffe.

Auch Muscheln, die im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide in der Kieler Außenförde in kleinen Netzkäfigen dem Einfluss der Munition ausgesetzt waren, reicherten den Forschern zufolge TNT-Abbauprodukte an. Damit sei klar, dass giftige Stoffe aus den Bomben austräten und von den dort lebenden Organismen aufgenommen würden.

TNT für Muscheln giftig

Die Forscher konnten zudem feststellen, dass TNT für Muscheln giftig ist und bei Fischen das Erbgut schädigt. Die empfindliche Plattfischart Kliesche weise im Versenkungsgebiet Kolberger Heide mehr Lebertumore auf als anderswo. Ein Zusammenhang zwischen lokaler TNT-Belastung und erhöhter Tumorrate liege deshalb nahe. Die Abbauprodukte von TNT seien ebenfalls erbgutschädigend. Die Organismen seien selbst dann noch der Wirkung der Munition ausgesetzt, wenn das schnell abbaubare TNT schon nicht mehr nachweisbar sei.

Die Menge an konventioneller Munition und chemischen Kampfstoffen als Hinterlassenschaft des Krieges wird in deutschen Gewässern auf 300.000 Tonnen geschätzt. Allein im Versenkungsgebiet Kolberger Heide lagern rund 35.000 Tonnen Seeminen und Torpedos in höchstens zwölf Metern Wassertiefe und in Sichtweite zum Strand.