Hochschul-Studie: Uni-Leitungen allein von Westdeutschen besetzt

07.02.2019

Die typische Universitätsleitung ist männlich und 59 Jahre alt, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) ergab. Die Studie zeigt zudem ein starkes regionales Gefälle: Jede dritte Führungskraft in den Uni-Präsidien und -Rektoraten bundesweit habe seine Wurzeln in Nordrhein-Westfalen, keine einzige stamme aus einem ostdeutschen Bundesland, heißt es. Insgesamt kommen laut Studie 95 Prozent der Universitätsleitungen aus Deutschland.

Die Soziologin Isabel Roessler, die am CHE unter anderem zum Thema Transfer und Hochschulentwicklung forscht, hat für die Erhebung mehr als 2.500 Daten von online veröffentlichten Lebensläufen der Hochschulleitungen ausgewertet. Ergänzend befragte sie die Präsidien und Rektorate der 81 öffentlich-rechtlichen Universitäten, ausgenommen Pädagogische Hochschulen und Kunstuniversitäten. Stand der Erhebung ist Dezember 2018.

Nachholbedarf bei Chancengleichheit

"30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Top-Führungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert", gab CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele zu Bedenken. Er forderte zudem eine bessere Durchmischung von Akademikern aus dem In- und Ausland: "Bei den studentischen Bildungsbiografien ist die Vielfalt auf dem Campus angekommen, warum nicht auch mehr Vielfalt in den Führungspositionen?"

Auch bei der Chancengleichheit von Frauen in Führungspositionen haben die Hochschulen nach Meinung der Studienautorin noch Nachholbedarf. "Drei Viertel aller Universitäten werden aktuell von Männern geleitet", sagte Roessler. Vor zwei Jahren sei die Quote noch höher gewesen, da jede vierte Universitätspräsidentin oder -rektorin erst 2018 neu ins Amt gekommen sei. Positiv bewertete Roessler dagegen die verschiedenen Ausbildungswege der Uni-Führungskräfte. "Unter den heutigen Hochschulleitungen finden sich neben Juristen auch Sportwissenschaftler und ehemalige Lehramtsstudenten", sagte sie.

Das CHE ist eine gemeinnützige Einrichtung, die regelmäßig das CHE-Ranking und Studien zu Hochschulthemen veröffentlicht. Gesellschafter sind die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz.