Menschenrechtler fordern mehr Geld für Bananenbauern

epd-bild/Jutta Ulmer Schnäppchenjäger werden beim Bananenkauf schnell fündig: Kilopreise deutlich unter einem Euro sind keine Seltenheit, Supermärkte unterbieten sich beim Kampf um das beste Angebot regelmäßig. Darunter leiden laut Experten vor allem die Kleinbauern.

07.02.2019

Der Preiskampf bei Bananen schadet laut Menschenrechtlern vor allem den Bauern in den Anbauländern. "Seit Monaten unterbieten sich Händler regelmäßig in den Kilopreisen", sagte der Vorstandsvorsitzender des Vereins TransFair, Dieter Overath, am Donnerstag in Berlin auf der Fruchtmesse Fruit Logistica. Trotz Transportwegen von 11.000 Kilometern kosteten Bananen oft halb so viel wie heimische Äpfel. Deutsche Supermarktketten seien in der Pflicht, den enormen Preisdruck auf die Produzenten zu stoppen. TransFair setzt sich für die Förderung des fairen Handels ein.

Frank Braßel von der Entwicklungsorganisation Oxfam berichtete von eklatanten Menschenrechtsverletzungen auf Bananenplantagen, die nicht mit dem Fairtrade-Siegel zertifiziert sind. Ihm seien Fälle von Zwangs- und Kinderarbeit bekannt, auf manchen Plantagen seien Menschen mit Gift bespritzt worden. "Auch das Geschäft mit Bananen sollte auf der Einhaltung von internationalen Rechten und Gesetzen basieren." Verbraucher sollten davon ausgehen können, dass sie nur Produkte kaufen, die "frei von Menschenrechtsverletzungen" produziert worden seien.

Verkaufspreis immer weiter zurückgegangen

Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Anteil der Kleinbauern am Verkaufspreis in den vergangenen 15 Jahren immer weiter zurückgegangen sei, sagte Braßel. Gleichzeitig sei der Anteil der Supermärkte am Gewinn enorm gestiegen. Der "brutale Preisdruck" zwinge manche Kleinbauern inzwischen zur Aufgabe.

Auch die Nachhaltigkeit würde oft vernachlässigt, um den Preis niedrig zu halten, kritisierte Braßel. Soziale und Umweltstandards könnten allerdings nur eingehalten werden, wenn dafür ordentlich gezahlt werde. In Ecuador, einem der Hauptexportländer für Bananen, gebe es zwar gesetzliche Mindestpreise, diese würden aber nur selten befolgt. Schuld seien unter anderem Bestechung und korrupte Strukturen. "Die Produzenten machen bei diesen Lügen mit, weil sie ihre Ware sonst nicht verkaufen können."

"Bei Aldi könnte es zu Lieferengpässen kommen"

Der Discounter Aldi beispielweise kündigte nach Angaben von TransFair im vergangenen Jahr an, künftig einen Dollar weniger pro Kiste Banane zu bezahlen. Bauern aus den Anbauländern Costa Rica, Ecuador, Guatemala und Kolumbien hätten sich daraufhin mit einem offenen Brief zur Wehr gesetzt. Durch die niedrigen Preise verlören Kleinbauern in Entwicklungsländern ihre Einkommensquellen. Plantagenbesitzer seien gezwungen, niedrige Löhne zu zahlen und den Einsatz von Chemikalien zu erhöhen, um die Produktivität zu steigern.

Silvia Campos vom Verein Fairtrade International, warnte vor weiterem Preisdruck: "Am Ende kann niemand gewinnen." In Kolumbien gebe es beispielweise viele Plantagen, die zum Preis, der von Aldi gezahlt werde, nicht produzieren könnten. Sie versuchten nun, Verträge mit anderen Käufern wie der britischen Supermarktkette Sainsbury's zu bekommen. "Bei Aldi könnte es zu Lieferengpässen kommen", sagte Campos.

Konsumenten durchaus bereit, mehr Geld für Bananen zu bezahlen

Andere Ketten haben dies laut TransFair-Vorstand Overath inzwischen erkannt. Lidl plant beispielweise, das gesamte Angebot auf Fairtrade-Bananen umzustellen. Der Marktanteil der Fairtrade-Bananen liegt TransFair-Angaben nach inzwischen bei rund 12,5 Prozent, pro Jahr würden etwa 90.000 Tonnen verkauft.

Ein Blick in die Nachbarländer zeigt Overath zufolge zudem, dass Konsumenten durchaus bereit sind, mehr Geld für Bananen zu bezahlen. In Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden sei es normal, für Bananen Preise über einen Euro pro Kilo zu bezahlen. "Die Befürchtung, dass Kunden weglaufen, ist also nicht berechtigt", sagte Overath.