Osnabrücker Bischof Bode räumt Fehler bei Missbrauchsfällen ein

epd-bild/Hanno Gutmann Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat erneut Fehler beim Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum eingeräumt.

08.03.2019

Vor neun Jahren sei ein von einem Betroffenen geschilderter Fall auf dessen Wunsch nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden, obwohl der beschuldigte Priester damals noch gelebt habe, sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann am Freitag dem epd: "In der Rückschau war das ein Fehler. Das würden wir heute anders machen und den Priester auch gegen den Willen des Betroffenen bei der Staatsanwaltschaft anzeigen."

Dieser habe dem Bischof 2010 in einem Brief geschildert, wie er als 13-Jähriger in den 60er Jahren vom Leiter des Bischöflichen Knabenkonvikts Meppen, eines Jungenwohnheims, sexuell missbraucht worden sei, sagte Haarmann. Daraufhin habe der damalige Missbrauchsbeauftragte, Domdechant Heinrich Silies, mit dem Betroffenen gesprochen.

Bistumsleitung sensibilisieren

Laut Aktenvermerk habe dieser damals betont, keine Forderungen an das Bistum zu stellen und auch keine Begleitung zu wünschen, sagte Haarmann. Er wollte den Beschuldigten auch nicht mit seinen Schilderungen konfrontieren, sondern die Bistumsleitung sensibilisieren. Der beschuldigte Priester sei damals schwer krank gewesen und 2012 gestorben. Für die Bistumsleitung sei der Fall damit zunächst erledigt gewesen. Opfer und Beschuldigter seien in die für die Missbrauchsstudie zusammengestellte Statistik aufgenommen worden. Bischof Bode habe damals keinen Anlass gesehen, den Brief des Mannes zu beantworten.

Genau das wirft der Mann dem Bischof heute vor. Er warte noch immer auf eine Antwort und eine Entschuldigung, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). Der Mann kritisiert zudem, dass das Bistum sich um die Verantwortung für die Geschehnisse gedrückt habe. Pädophile Priester gehörten nicht versetzt, sondern entlassen, angezeigt und strafrechtlich verfolgt, sagte der Mann laut Zeitungsbericht.

Enger mit Betroffenen zusammenarbeiten

Der Beschuldigte hat nach Bistumsangaben 1968 den Konvikt verlassen und bis 1995 als Priester in zwei Gemeinden in der Nähe von Osnabrück und im Emsland gearbeitet. Haarmann betonte, Bode sei heute gerne bereit, mit dem Betroffenen persönlich zu sprechen, falls dieser das wünsche. Das Bistum werde künftig bei der Aufarbeitung der Fälle enger mit Betroffenen zusammenarbeiten.

Der Bischof hatte bereits im Ende 2018 öffentlich gewordenen Fall eines heute 85-jährigen Priesters, der jahrzehntelang Kinder sexuell missbraucht haben soll, Fehler eingestanden. Nachdem er diesen 1995 aufgrund von damals nicht beweisbaren Gerüchten in den Ruhestand versetzt habe, sei der Priester trotz anderslautender Auflagen weiter in der Jugendarbeit tätig gewesen.