Rechtsmediziner berichten im Högel-Prozess von Exhumierungen

epd-bild/Julian Stratenschulte/dpa-Pool Im Mordprozess gegen den früheren Krankenpfleger Niels Högel haben am Freitag vor dem Oldenburger Landgericht zwei Rechtsmediziner die umfangreichen Exhumierungen möglicher Opfer geschildert.

08.03.2019

Dafür wurden insgesamt 134 Leichen aus ihren Gräbern geholt, um Beweise zu sichern. Auf die Befunde der Mediziner stützt die Staatsanwaltschaft ihre Anklage (AZ: 5Ks 1/18).

Bereits im Frühjahr 2014 seien erste Gespräche mit den Ermittlern über die Exhumierungen geführt worden, sagte der Pathologe Benedikt Vennemann von der Oldenburger Außenstelle der Medizinischen Hochschule Hannover. Im März seien dann die ersten Gräber in Ganderkesee bei Delmenhorst geöffnet worden. Vennemann leitete die Exhumierungen, die überwiegend im nordwestlichen Niedersachsen erfolgten. Neben den Gewebeproben seien Erd- und Holzproben vom Sargboden aus den Gräbern gesichert worden.

Proben präpariert und chemisch untersucht

Die Proben wurden von dem Toxikologen Jörg Teske in der Medizinischen Hochschule präpariert und chemisch untersucht. Dabei seien vor allem die Wirkstoffe Ajmalin, Lidocain und weitere Substanzen gesichert worden. Sie sind in den Medikamenten enthalten, mit denen Högel seine Patienten tötete.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann verzichtete auf eine detaillierte Aussage zu jedem Einzelfall. Die Ergebnisse liegen allen Beteiligten vor und wurden im sogenannten Selbstleseverfahren in den Prozess eingeführt.

Rettender Held

Laut Anklageschrift soll Högel von 2000 bis 2005 in der Klinik Oldenburg 36 Patienten und im Delmenhorster Krankenhaus 64 Patienten mit Medikamenten vergiftet haben, die zum Herzstillstand oder Kammerflimmern führten. Anschließend versuchte er, die Frauen und Männer wiederzubeleben, um als rettender Held dazustehen.

In dem seit Ende Oktober laufenden Prozess hat der frühere Krankenpfleger bisher 43 Mordfälle eingeräumt. Fünfmal wies er die Anschuldigungen zurück. An die anderen Patienten könne er sich nicht erinnern, sagte er. Wegen weiterer Taten verbüßt Högel bereits eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess wird am 28. März fortgesetzt.