Hilfsorganisation: Gelder in Syrien zur Selbsthilfe einsetzen

epd-bild/Sebastian Backhaus In dieser Woche findet in Brüssel die dritte internationale Konferenz zur Unterstützung der Menschen in Syrien und in Nachbarstaaten statt. Die Konferenz soll über konkrete Hilfen diskutieren, Zusagen für Hilfsgelder erbringen und eine politische Lösung unterstützen.

11.03.2019

Kurz vor der internationalen Syrien-Konferenz in Brüssel fordert die Diakonie Katastrophenhilfe, Gelder in der Region verstärkt dafür einzusetzen, dass Menschen ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Die Unterstützung müsse über rein existenzsichernde Maßnahmen hinausgehen, sagte Vera-Magdalena Voss, Leiterin des Syrien-Büros der Hilfsorganisation, dem Evangelischen Pressedienst (epd) telefonisch aus der jordanischen Hauptstadt Amman. Mitte März jährt sich zum achten Mal der Beginn des Syrien-Kriegs.

Bisher würden Gelder internationaler Geber zum Teil auf den Zweck des reinen Überlebens beschränkt, sagte Voss. Stattdessen könnten zum Beispiel Familien "den Blick nach vorne richten", indem man Hilfen auch für kurze Ausbildungskurse oder die Instandsetzung von Wohnungen einsetze. "Wenn wir das nicht haben, rutschen Menschen umso mehr in absolute Notlagen", sagte die Büroleiterin des evangelischen Hilfswerkes. Zudem sollten die Geber lokale Hilfsorganisationen vor Ort stärker bedenken.

Konferenz in Brüssel

Von Dienstag bis Donnerstag findet in Brüssel die dritte internationale Konferenz zur Unterstützung der Menschen in Syrien und in Nachbarstaaten statt. Gastgeber sind die EU und die Vereinten Nationen. Die Konferenz soll über konkrete Hilfen diskutieren, Zusagen für Hilfsgelder erbringen und eine politische Lösung unterstützen. Nach EU-Angaben wurden bei der zweiten Konferenz 2018 für das laufende Jahr 3,5 Milliarden Euro und für 2019 bis 2020 2,7 Milliarden Euro zugesagt. Voss forderte, dieses Niveau zumindest zu halten. Die Diakonie Katastrophenhilfe ist von Jordanien aus in Syrien und in den Nachbarländern aktiv. Sie plant mit, koordiniert und finanziert lokale Partner, die dann die konkrete Arbeit vor Ort leisten.

Insgesamt ist die Lage in der Region laut Voss weiter sehr angespannt. In Syrien seien zwischen elf und zwölf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, rund fünfeinhalb Millionen seien geflohen. "Ein akutes Problem ist der Winter mit starkem Regen und teils Schnee." Neben der akuten Not gebe es beispielsweise zu wenige Lehrer im Land, außerdem gehe Gefahr von Minen und Blindgängern aus. Viele Menschen nutzten außerdem "negative Bewältigungsstrategien" wie Kinderarbeit oder die Verheiratung von Mädchen, um der Not zu begegnen.

Vor diesem Hintergrund sei es derzeit undenkbar, Flüchtlinge nach Syrien zurückzuschicken. Zwar könnten einzelne Menschen, wenn sie gut informiert und willens seien, wieder ihre Heimatorte aufsuchen. Allgemeine Stabilität herrsche aber nicht, machte Voss, die immer wieder selbst in Syrien unterwegs ist, klar: "Die Rückkehr von Flüchtlingen in Sicherheit und Würde kann derzeit nicht geschehen."