«Tagesspiegel»-Journalist: Türkei will Exempel statuieren

epd-bild/Christian Ditsch Nach dem Entzug seiner Akkreditierung in der Türkei hat der "Tagesspiegel"-Journalist Thomas Seibert dem Land Einschüchterung von Medien vorgeworfen.

11.03.2019

"An uns soll ein Exempel statuiert werden", schrieb Seibert auf der Titelseite des Berliner "Tagesspiegels" (Montag). Das "unmoralische Angebot aus Ankara" laute, seine Zeitung solle einen anderen Journalisten als ihn schicken. "Ihr Ziel, deutsche Zeitungen oder Fernsehsender zu kontrollieren, wird die türkische Regierung damit nicht erreichen - nur das Gegenteil", schrieb Seibert weiter.

"Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt schrieb in seinem täglichen Newsletter am Montag, über die türkische Botschaft sei ihm angeboten worden, einen anderen Journalisten zur Akkreditierung vorzuschlagen. Das mache seine Zeitung "selbstverständlich" nicht. "In einer Demokratie suchen sich die Mächtigen nicht aus, wer sie kontrolliert, sonst ist es keine Demokratie", schreibt Maroldt.

Maas kritisierte Entzug der Arbeitserlaubnis

Im Aufmacher auf der Seite eins des "Tagesspiegels" schildert Seibert unter der Überschrift "Mein Rauswurf" seine Gedanken beim Abschied aus der Türkei. Nach 22 Jahren als Korrespondent in der Türkei war ihm in diesem Jahr die Akkreditierung verweigert worden. Am Sonntagabend kehrte er nach Angaben seiner Zeitung aus Istanbul zurück. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan dulde ihn nicht mehr als Berichterstatter, schrieb Seibert.

Die Akkreditierung sei 15 oder mehr Jahre lang reine Formsache gewesen. Bis vor Kurzem sei er fest davon ausgegangen, "dass der türkische Staat an einer differenzierten Darstellung seines Landes in der internationalen Öffentlichkeit interessiert sei", schrieb der Journalist. Auch dem ZDF-Korrespondenten Jörg Brase und dem NDR-Fernsehjournalisten Halil Gülbeyaz wurde der notwendige Presseausweis versagt. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte den Entzug der Arbeitserlaubnis am Wochenende scharf kritisiert.