Brennnesseln und Natternköpfe

epd-bild / Steffen Schellhorn Mehr als die Hälfte der Tagfalterarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Wer den Schmetterlingen helfen will, kann auch im eigenen Garten eine Menge tun.

12.03.2019

Im März kann man sie mit viel Glück beim Sonnenbaden am Wegrand beobachten: den Zitronenfalter, den Großen Fuchs oder das Tagpfauenauge. Nahrungsquellen wie Weidenkätzchen und Krokus sind jetzt sehr begehrt. Doch die Lebensbedingungen für die Falter werden immer schwieriger.

Von den rund 180 Tagfalterarten, die in Deutschland vorkommen, sind nach Angaben des Nabu über die Hälfte gefährdet. Fünf Arten seien bereits ausgestorben. Forscher berichten von einem massiven Insektensterben weltweit, das auch die Schmetterlinge betrifft. In nur knapp drei Jahrzehnten sind drei Viertel aller Fluginsekten in Schutzgebieten verschwunden, das zeigte Ende 2017 die "Krefelder Studie". Dafür werden unter anderem die intensivierte Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden verantwortlich gemacht.

Nektarpflanzen für die Falter, Futterpflanzen für die Raupen

Wer den Schmetterlingen helfen will zu überleben, kann auch im eigenen Garten eine Menge tun. Ein Schmetterlingsflieder genügt da nicht. Zwar naschen Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral gern den süßen Nektar, den der beliebte Zierstrauch mit seinen violetten oder weißen Blüten anbietet. Doch die Raupen dieser Tagfalter brauchen deftigere Kost - etwa die Blätter der Großen Brennnessel. Insgesamt rund 50 Schmetterlingsarten lassen sich in ihrem Larvenstadium die Brennnessel schmecken, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral sind ganz und gar auf sie angewiesen.

Man sollte also beides in seinem Garten anbieten: Nektarpflanzen für die Falter und Futterpflanzen für die Raupen. Es muss ja nicht nur die Brennnessel sein: Schwalbenschwänze etwa legen ihre Eier einzeln an Doldenblütlern wie der Wilden Möhre, aber auch an Fenchel, Kümmel, Dill und Möhre ab. So geht nicht gleich die ganze Kulturpflanze zugrunde, wenn die hübsche Raupe daran nagt.

Blumenwiese statt steriler Rasen

In ihrem Buch "Mein Schmetterlingsgarten" gibt Biologin Elke Schwarzer weitere Tipps zur Gartengestaltung für Schmetterlinge: Wärmeinseln wie Trockenmauern einrichten, nicht spritzen, nicht düngen, eine Hecke aus heimischen Sträuchern als Windschutz pflanzen. Helfen kann auch, Reisighaufen zum Verstecken anzulegen und das Laub im Herbst zum Überwintern auf den Beeten liegen zu lassen.

Auch in Kübeln und Balkonkästen freuen sich Schmetterlinge über Blumen wie die violett blühende Kornrade - ein giftiges Ackerbeikraut, das mit gutem Grund von den Getreidefeldern verbannt wurde, aber den Schmetterlingen jetzt fehlt. Optimal ist nach Schwarzers Ansicht eine Blumenwiese statt eines sterilen Rasens. Die "Königsdisziplin" nennt sie das.

Falter lieben blaue, rote und violette Blüten

Rainer Ulrich, Schmetterlingsexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), schlägt eine "Schmetterlingsspirale" als Zierelement vor, ähnlich einer Kräuterspirale. Nur eben sollte sie mit Raupen- und Nektarpflanzen bestückt werden: mit Thymian, Oregano, Rotklee und als Krönung ganz oben dem "Natternkopf", wegen seiner blauen Blüten auch "Blauer Heinrich" genannt.

Denn Falter lieben blaue, rote und violette Blüten: Glattblatt- und Rauhblatt-Astern, Blaunessel, Wiesenflockenblume, Lavendel, Wiesensalbei, Karthäusernelke, Tauben-Skabiose, Blutweiderich und Gewöhnlicher Wasserdost. Aber Falter wie Kaisermantel, Tagpfauenauge, Distelfalter und Kleiner Fuchs fliegen auch auf den gelb blühenden Echten Alant.

Besondere Delikatesse: Eselsdisteln

Die Raupen des Kohlweißlings fühlen sich nicht nur auf Kohl wohl, sondern auch auf Kapuzinerkresse. Luzerne wird von Bläulingsraupen verspeist, die Larven des Aurorafalters besuchen das Wiesenschaumkraut und die Knoblauchrauke. An deren Blüten naschen Schmetterlinge wie Landkärtchen, Waldbrettspiel und Grüner Zipfelfalter. Ganz wichtig ist der gelbe Hornklee, an dem mehrere Schmetterlingsarten ihre Eier ablegen.

Eine besondere Delikatesse sind Eselsdisteln, die oft am Wegrand wachsen. Distelfalterraupen fressen am Laub, andere Falter und auch Hummeln besuchen die Blüten, und im Herbst ernähren sich Distelfinken (Stieglitze) von den Samen. Doch egal, an welcher Pflanze die Raupen nagen - wichtige Voraussetzung für ein Schmetterlingsparadies ist natürlich immer: Die nimmersatten Raupen in Ruhe fressen lassen.