Bischöfe wollen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen verstärken

epd-bild/Harald Oppitz/KNA-Bild Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahrzehnte in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen weiter aufarbeiten lassen.

13.03.2019

Dazu werde die Bischofskonferenz zunächst mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, Kriterien und Leitlinien erarbeiten, kündigte der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Mittwoch im niedersächsischen Lingen an.

Er könne sich vorstellen, dass es am Ende eine Vereinbarung zwischen Staat und Kirche oder eine von Staat und Kirche anerkannte unabhängige Kommission geben werden, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz während der Frühjahrs-Vollversammlung der 67 deutschen Bischöfe. Eine zeitliche Dimension nannte Ackermann nicht. Es würden aber alle Fälle im Detail aufgearbeitet und veröffentlicht.

Hinweise auf 1.670 beschuldigte Kleriker

Weiterhin werde die Bischofskonferenz ein Gutachten in Auftrag geben, das die bisherigen Systeme der Anerkennungsleistungen für die Opfer in den Bistümern überprüfen solle, kündigte Ackermann an. Langfristig solle es dafür eine einheitliche Regelung geben. Alle Bistümer sollten möglichst bald zwei unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene auf ihren Internetseiten benennen. Bei fünf der 27 Bistümer sei das noch nicht der Fall.

Nach einer im September veröffentlichten Missbrauchsstudie wurden zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Es fanden sich Hinweise auf 1.670 beschuldigte Kleriker.

"Wo bleibt eure Reue?"

Am Morgen hatte der gastgebende Bischof Franz-Josef Bode seinen Amtskollegen ins Gewissen geredet und sie zu echten Erneuerungen aufgerufen. Die Kirche könne nur dann ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, wenn sie "sich in die Karten schauen lässt und transparent ist, lauter und ohne Doppelmoral", mahnte er während des Morgengottesdienstes.

Die Meinungen über den richtigen Weg seien unter ihnen jedoch "gefährlich verschieden". Bode zeigte sich angesichts der Missbrauchsfälle zugleich erschüttert und schuldbewusst. Er zitierte den Propheten Jona aus der Bibel mit den Worten: "Wo bleibt eure Reue?"

Die Bischöfe tagen noch bis zum Donnerstag in Lingen. Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller Bistümer in Deutschland. Derzeit gehören ihr 67 Mitglieder aus den 27 Diözesen an. Oberstes Gremium der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die regelmäßig im Frühjahr und Herbst für mehrere Tage zusammentritt.