Kulturrat: Eckpunkte zu Kolonialgütern noch nicht ausreichend

epd-bild/Christian Ditsch Der Deutsche Kulturrat hat das Bund-Länder-Papier zum Umgang mit kolonialem Erbe begrüßt, hält es aber noch nicht für ausreichend.

14.03.2019

Wichtig sei die Klarstellung, dass koloniales Unrecht nicht vergessen werden dürfe, erklärte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände am Donnerstag in Berlin. Auch die im Papier getroffene Unterscheidung zur Aufarbeitung von NS-Raubkunst und die Entscheidung, menschlichen Überresten Vorrang einzuräumen, seien positiv zu bewerten.

Der Kulturrat bemängelte allerdings, dass die Kirchen nicht adressiert würden und dass kein Ombudsmann oder Ethikrat vorgesehen sei, der in Zweifelsfällen angerufen werden könne. Die Kirchen, die durch ihre Missionstätigkeit in die Kolonialgeschichte verstrickt sind, müssten in die Diskussion miteinbezogen werden, sagte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann dem epd. Außerdem seien neben den ethnologischen Museen, auch Naturkundemuseen und Bibliotheken betroffen und sollten ebenfalls angesprochen werden.

Verantwortung für die Folgen des Kolonialismus

Das Papier stelle einen guten Auftakt für die erst wenige Monate alte Kultur-Ministerkonferenz dar, sagte Zimmermann. Er sei "erfreut" darüber. Denn es sei gut, wenn Bund, Länder und Kommunen bei wichtigen kulturpolitischen Fragen an einem Strang zögen. Zimmermann fügte aber hinzu: "Der Blick auf das Thema muss noch deutlich erweitert werden. Die kolonialen Strukturen leben auch heute noch fort." Deshalb könnten auch Fragen des Umgangs mit kolonialen Gütern nicht getrennt vom Einsatz für einen gerechten Welthandel behandelt werden.

Die Verantwortung für die Folgen des Kolonialismus gingen über die enge Frage der Rückführung von Kulturgütern hinaus, das sei zu kurz gegriffen, sagte Zimmermann dem epd. Es gelte vielmehr Handelsbarrieren abzubauen und ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika anzugehen. Dies gehöre zum Umgang mit dem kolonialen Erbe dazu.

Die neu gegründete Kultur-Ministerkonferenz hatte am Mittwoch ein Papier mit 13 "Ersten Eckpunkten" zum Umgang mit Kulturgut aus der Kolonialzeit verabschiedet. Als eine der ersten bedeutenden Restitutionen in diesem Zusammenhang hatte Baden-Württemberg kürzlich die "Witbooi-Bibel" Ende Februar an Namibia zurückgegeben. Namibia war unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika bis 1915 deutsche Kolonie.