Pflegerat warnt vor Verschlechterung der Lage

epd-bild/Werner Krueper Der Deutsche Pflegerat sieht den Pflegenotstand noch nicht am Tiefpunkt angelangt.

14.03.2019

Der Arbeitsmarkt sei leer gefegt, es gebe Aufnahmestopps und Wartelisten in Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten, sagte der Präsident des Deutschen Pflegerates, Franz Wagner, am Donnerstag in Berlin zum Auftakt des 6. Deutschen Pflegetages. Zudem führe die vielfach prekäre Personalausstattung zu einer Flucht aus dem Pflegeberuf. Zu dem dreitägigen Kongress des Deutschen Pflegerates werden nach Veranstalterangaben rund 10.000 Besucher erwartet. Zentrales Thema ist die sogenannte Konzertierte Aktion Pflege der Bundesregierung, mit der die Koalition die Situation in der Pflege verbessern will.

Wagner betonte zum Auftakt, "wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem". Mit der Konzertierten Aktion Pflege sei ein erster wichtiger Schritt unternommen worden. Es fehle derzeit aber noch eine Orientierung und Zielvorgabe für die Weiterentwicklung des Heilberufes Pflege über die nächsten Jahre hinaus.

"Es werden Steuermittel fließen müssen"

Wagner forderte als ersten Schritt, die Personalausstattung zu verbessern, um die beruflichen Belastungen spürbar zu verringern. Das klinge in Zeiten des Personalmangels zunächst paradox. Aber es gebe eine Arbeitskräftereserve durch den hohen Teilzeitanteil und die aus dem Beruf Ausgeschiedenen. "Das, was bisher zur Verbesserung der Personalsituation unternommen wurde, reicht nicht aus", sagte der Chef des Dachverbandes der Pflegeberufe. Nötig sei deshalb auch eine verlässliche Zusage, wie viele neue Stellen die Politik insgesamt schaffen wolle. Der Deutsche Pflegerat fordert 100.000 zusätzliche Stellen.

Um die Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern, brauche es eine angemessene Entlohnung, sagte Wagner weiter. "Hier gibt es eine große Gerechtigkeitslücke." Auch eine Steuerbefreiung "für Arbeit zu ungünstigen Zeiten" sei längst zwingend geboten.

Weiter forderte er mehr Mittel für die Pflegeversicherung: "Es werden Steuermittel fließen müssen". Der finanzielle Eigenanteil von Menschen, die in Pflegeheimen versorgt werden, müsse begrenzt werden. "Die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung auch im Zusammenwirken mit der Krankenversicherung muss auf den Prüfstand." Außerdem seien mit Blick auch auf neue Studiengänge künftig "gestufte Qualifikationsniveaus" in der Pflege nötig, sagte Wagner.