Journalistin Reschke hat durch Hass im Netz Vertrauen verloren

epd-bild/Stefan Arend Die Welle von Hass-Kommentaren nach einem Kommentar gegen Rassismus in den ARD-"Tagesthemen" hat die NDR-Journalistin Anja Reschke nach eigenen Worten "tiefgreifend erschüttert".

21.06.2019

"Ich habe meine Unschuld verloren an diesem Tag", sagte Reschke am Freitag in einer Bibelarbeit beim evangelischen Kirchentag in Dortmund. Ihr Vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet, habe sie damals verloren.

Reschke hatte inmitten der aufgewühlten Stimmung im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik 2015 in einem Kommentar einen "Aufstand der Anständigen" gegen die Anfeindungen Rechtsextremer gefordert. "Das kam mir nicht besonders mutig vor", sagte Reschke. Sie habe gedacht, die Botschaft, dass die Würde aller Menschen gleich ist, sei tief verankert in der Gesellschaft. Auf bittere Weise habe sie gelernt, dass das nicht so ist. Reschke wurde damals konfrontiert mit einem gewaltigen Shit-Storm von Hasskommentaren im Netz.

"Macht nie Protagonisten zu Opfern"

Reschke, die ab August die Leitung des Programmbereichs Kultur und Dokumentation beim NDR übernehmen wird, hielt gemeinsam mit dem Journalisten und Kirchentagspräsidenten Hans Leyendecker eine Bibelarbeit zur Geschichte über die Opferung Isaaks. Beide appellierten anhand dieser Geschichte an die Verantwortung von Journalisten.

Der frühere Investigativ-Journalist Leyendecker sagte, er habe mit seinen Enthüllungen Menschen auch an den Pranger gestellt, mindestens einmal große Fehler gemacht. Er habe Menschen verletzt und dennoch dürfe das Journalisten nicht davon abhalten, Missstände aufzudecken. Reschke erzählte von einer Erfahrung als junge Journalistin, in der Pensionäre eher als "Bildfutter" in einem ihrer Fernsehbeiträge landeten, was diese verletzt habe. Seitdem appelliere sie an alle jungen Journalisten: "Macht nie Protagonisten zu Opfern. Ihr habt eine Verantwortung."