Kanzlerin kommt zum Kirchentag

epd-bild/Friedrich Stark Angela Merkel wird auf dem Protestantentreffen in Dortmund mit Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf über das Thema "Vertrauen als Grundlage internationaler Politiker" diskutieren.

22.06.2019

Der evangelische Kirchentag ist am Samstag in den vierten und damit vorletzten Tag gestartet. Am Vormittag versammelten sich erneut Tausende Besucher zu sogenannten Bibelarbeiten, in denen bekannte Persönlichkeiten eine Stelle der Heiligen Schrift deuten. Für den Nachmittag stehen Podiumsveranstaltungen auf dem Programm. Dazu werden unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heike Maas (SPD) erwartet. Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag mit 118.000 Teilnehmern steht unter dem Leitwort "Was für ein Vertrauen".

Merkel wird mit der ehemaligen liberianischen Präsidentin und Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf über das Thema "Vertrauen als Grundlage internationaler Politiker" diskutieren. Maas nimmt gemeinsam mit dem kongolesischen Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege an einem Podium zur Rolle Deutschlands beim weltweiten Schutz von Frauen und Kindern teil. Über das Thema "Vertrauen und Vertrauensmissbrauch - Genau hinsehen - und wie weiter?" sprechen unter anderen die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs und der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil beklagte am Rande des Kirchentags eine Verrohung der Sprache in den sozialen Medien. Mit Blick auf den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sagte Klingbeil dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Aus solcher Hetze folgen Taten." Zugleich begrüßte er die Entscheidung des evangelischen Kirchentags in Dortmund, keine AfD-Politiker einzuladen, als klares und mutiges Signal gegen rechts.

Klimaschutz wichtiges Thema

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Julia Helmke, sagte, jeder sei zum Dialog aufgefordert, auch Menschen vom rechten Rand der Gesellschaft. Allerdings müssten konsequent Grenzen aufgezeigt werden, sollte die Menschenwürde verletzt werden, betonte sie am Samstag im Bayerischen Rundfunk. Helmke sprach sich dafür aus, verstärkt auch auf Menschen ohne dezidiert christlichen Hintergrund zuzugehen. Christen sollten grundsätzlich mutiger werden und ihre Werte offensiver in die gesellschaftliche Diskussion einbringen, sagte sie.

Die Themen Hetze im Internet und Klimaschutz hatten bereits zur Halbzeit am Freitag den Kirchentag beherrscht. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte zum Fall Lübcke: "Wenn massiv und systematisch Misstrauen gegen Menschen in politischer Verantwortung gesät wird, Menschen auf dieser Basis attackiert und beschuldigt werden, dann kann das Gift sogar tödlich wirken." Die Journalistin Dunja Hayali betonte, die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten durch einen mutmaßlichen Rechtsextremisten zeige, "dass Hass auch Konsequenzen hat".