«Fridays for Future» legt Forderungskatalog vor

epd-bild/Christian Ditsch "Wir sind es leid, für das Fehlverhalten anderer zu bezahlen" - das sagt einer der Vertreter von "Fridays for Future" bei der Vorstellung eines kleinen, aber umso radikaleren Forderungspapiers.

08.04.2019

Die Schüler- und Studenteninitiative "Fridays for Future" hat eine radikale Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2035 gefordert. Um das sogenannte Nettonull-Ziel zu erreichen, müsse bis 2035 die Energieversorgung vollständig durch erneuerbare Energien erfolgen, hieß es in einem am Montag in Berlin vorgestellten Papier der Schülerstreikbewegung. Zudem hält "Fridays for Future" an der Forderung nach einem Kohleausstieg bis 2030 fest.

Der Kompromiss der Kohlekommission sieht einen Ausstieg aus der Kohle erst bis 2038 vor. Präsentiert wurde der Forderungskatalog von "Fridays for Future" im Museum für Naturkunde mit Skeletten von ausgestorbenen Dinosauriern im Hintergrund. Unterstützt wurden die Initiatoren dabei von der Wissenschaftler-Vereinigung "Scientists for Future".

Um das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten schon bis Ende dieses Jahres konkrete Maßnahmen getroffen werden, hieß es weiter. Dazu zählten ein "Ende der Subventionen für fossile Energieträger" wie Kohle, Öl und Gas, das Abschalten eines Viertels der derzeitigen Kohlekraftkapazitäten sowie eine Kohlendioxid-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. "Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen", sagte Linus Steinmetz als Vertreter von "Fridays for Future". Laut Umweltbundesamt seien dies pro Tonne 180 Euro.

Nur Ziele, keine Maßnahmen

"Fridays for Future" reagierte mit dem eine Seite umfassenden Papier auf wiederholte Forderungen aus der Politik in den vergangenen Monaten, konkrete Maßnahmen zu fordern. Der Veröffentlichung sei ein bundesweiter Abstimmungsprozess zwischen den Aktivisten der Schüler- und Studentenbewegung vorangegangen, sagte Aktivistin Svenja Kannt. Das Papier enthalte dabei bewusst nur Ziele, keine Maßnahmen: "Um sie zu erreichen, sind verschiedene Wege denkbar", hieß es. Den geeignetesten Weg zu finden, sei jetzt Aufgabe der Politik in enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Steinmetz kündigte an, dass die Schülerstreiks weiter gehen werden, bis ersichtlich sei, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommen tatsächlich von der Politik angestrebt werden.

Kannt warnte vor weitaus größeren Folgekosten für die Steuerzahler durch die Klimaveränderung sollten bestimmte "Kipp-Punkte" überschritten und die Erderwärmung nicht mehr eingedämmt werden können. Weiter verwiesen die Vertreter von "Fridays for Future" darauf, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel sozialverträglich umgesetzt werden müssten. Schließlich sei der ökologische Fußabdruck, also die Beanspruchung des Ökosystems, umso größer, je höher das Einkommen, sagte Aktivistin Sana Strahinjic.

"Ein Verfehlen dieses Ziels hat weitreichende, untragbare Folgen"

Nach dem Verursacherprinzip müsse Deutschland als Industrienation Nettonull deutlich früher erreichen als andere Staaten, hieß es weiter: "Ein Verfehlen dieses Ziels hat weitreichende, untragbare Folgen." Angesprochen auf das Thema Atomkraft als mögliche Alternative zu Kohlekraftwerken sagte Strahinjic, der Ausstieg sei in Deutschland beschlossene Sache.

In dem Forderungspapier von "Fridays for Future" hieß es auch: "Uns ist bewusst, dass diese Forderungen ambitioniert sind, doch wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, werden wir das 1,5 Grad-Ziel verfehlen. Die dadurch entstehenden Schäden werden nicht reparabel sein."

Unterstützung erhielten die Schüler und Studenten unter anderen vom Klimaexperten der Linksfraktion im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin. Die Forderungen seien "keine Wünsch-Dir-Was-Liste für eine bessere Welt", sondern ein "notwendiger Weckruf an die tatenlose Bundesregierung", erklärte er. Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Lisa Badum, sagte: "Die jungen Menschen haben Recht: Wir brauchen in der Realität, in der wir leben, viel radikaleren Klimaschutz."