EU stellt Ethik-Leitlinien für Künstliche Intelligenz vor

08.04.2019

Nur mit Vertrauen werde unsere Gesellschaft in vollem Umfang von den Technologien profitieren, erklärte Vizekommissionschef Andrus Ansip am Montag in Brüssel. Eine ethische vertretbare KI könne für Europa zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Digitalkommissarin Mariya Gabriel sprach von einer auf den Werten der EU fußenden soliden Grundlage, die nun in die Praxis umgesetzt werden solle.

Die "Ethik-Leitlinien für eine vertrauenswürdige KI" wurden von einer rund 50-köpfigen unabhängigen Expertengruppe erarbeitet. In ihr sind unter anderen Hochschulforscher, Mitarbeiter von Google und SAP, der Europäischen Grundrechteagentur und des Verbraucherverbandes BEUC vertreten. Laut EU-Kommission soll als nächstes eine Pilotphase starten, in der Industrie, Forschungseinrichtungen und Behörden an die Leitlinien angefügte Bewertungslisten für ethische KI testen. Auf Basis der Rückmeldungen will die Behörde 2020 über weitere Schritte entscheiden.

Ethisch besonders heikle Anwendungen

Vertrauenswürdige KI muss den Leitlinien zufolge Gesetzen und Regulierungen entsprechen, ethischen Prinzipien und Werten genügen und aus technischer wie gesellschaftlicher Sicht "robust" sein, da sie selbst bei guten Absichten Schaden anrichten könne. Der Umgang mit KI-Systemen soll in diesem Rahmen unter anderem die Autonomie des Menschen respektieren. Außerdem sollen die Fähigkeiten und Zwecke von KI den Betroffenen transparent gemacht und durch KI getroffene Entscheidungen soweit wie möglich erklärt werden, heißt es in den Leitlinien.

Besondere Aufmerksamkeit sollen verletzliche Gruppen wie Behinderte und Situationen mit Ungleichgewichten von Macht oder Information bekommen, etwa zwischen Unternehmen und Verbrauchern. Die Leitlinien geben auch Beispiele für ethisch besonders heikle Anwendungen von KI, etwa autonome Waffen, automatische Gesichtserkennung oder Punktesysteme (Scoring) zu Bewertung von Verhalten. Generell stellen die Experten fest, dass KI nur dann vertrauenswürdig sein könne, wenn die dahinterstehenden Prozesse und Menschen es ebenfalls seien.

Ein Entwurf der Leitlinien hatte teilweise Kritik auf sich gezogen, auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die jetzt veröffentliche Fassung sei offenbar besser, erklärte die Leiterin des Brüsseler EKD-Büros, Katrin Hatzinger, am Montag. Die Leitlinien strichen zum Beispiel die mit KI verbundenen Risiken deutlicher heraus und differenzierten stärker zwischen den Anforderungen an verschiedene Akteure wie Entwickler, Bereitsteller und Nutzer von KI. Enttäuschend bleibe, dass sie keine konkreten Vorschläge zur Regulierung enthielten, urteilte Hatzinger.