Früherer «Spiegel»-Chef Mascolo für mehr Medienjournalismus

epd-bild/Norbert Neetz Nur wer mit seinen Fehlern transparent umgehe, erhalte die Freiheit und die Autorität, andere auf ihre Fehler hinzuweisen, sagt der Journalist Georg Mascolo bei der Jubiläumsfeier zum 70-jährigen Bestehen von epd medien.

10.04.2019

Der Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", Georg Mascolo, wirbt für mehr Berichterstattung über Medien und ihre Arbeitsweise. "Eine staatliche Kontrolle der Medien kann und darf es nicht geben, Medien also müssen diese Aufgabe selbst wahrnehmen und dafür sorgen, dass sie an sich selbst jene Maßstäbe anlegen, die sie auch an alle anderen anlegen", sagte der frühere "Spiegel"-Chefredakteur am Dienstagabend in Frankfurt am Main bei der Feier zum 70. Jubiläum des Fachdienstes epd medien. Nur wer mit seinen Fehlern transparent umgehe, erhalte die Freiheit und die Autorität, andere auf ihre Fehler hinzuweisen.

"Medienjournalismus zieht die Medien zur Rechenschaft"

"In diesen Zeiten müssen wir, so glaube ich, mehr denn je beweisen, dass wir den höchsten handwerklichen und ethischen Maßstäben genügen", sagte Mascolo. Viele Menschen stünden in ihrem Verhältnis zu den Medien auf der Kippe. Die meisten, die Kritik hätten und zweifelten, wollten gehört werden, betonte er. Sie wüssten sehr wohl, was Journalisten leisteten und schätzten die Arbeit. Sie hätten aber auch ein gutes Gespür für die Fehler. "Wer dem Souverän dienen will, der muss zuallererst das sein: souverän", unterstrich er.

"Die Medien ziehen die Mächtigen zur Rechenschaft. Und der Medienjournalismus zieht die Medien zur Rechenschaft", sagte Mascolo. Medienjournalisten "müssen jene Eigenschaften haben, ohne die es in unserem Beruf nicht geht: Fairness, ein Gespür für Ungerechtigkeit, Neugierde, Gründlichkeit und eine Portion Demut", betonte der frühere "Spiegel"-Chefredakteur. Sie benötigten eine gute Ausbildung, Zeit zum Recherchieren und dürften "von ihren Vorgesetzten keinesfalls als Content-Lieferanten beleidigt werden".

"epd/Kirche und Rundfunk" erschien am 21. Januar 1949 erstmals

Die Publikation epd medien erschien als "epd/Kirche und Rundfunk" erstmals am 21. Januar 1949. epd medien wird in der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) unter dem Dach des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) produziert. Das GEP ist das zentrale Mediendienstleistungsunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD,) ihrer Gliedkirchen, Werke und Einrichtungen. Es trägt neben der epd-Zentralredaktion unter anderem das evangelische Magazin "chrismon" und das Internetportal "evangelisch.de" und organisiert die Rundfunkarbeit der EKD.

GEP-Direktor Jörg Bollmann lobte die Arbeit von epd medien und dankte der EKD für die Unterstützung. "Die gute Nachricht: Bisher haben wir auf drängende Fragen, auch auf die nach Kosten und Ausstattung, immer auch Antworten gefunden – darüber freue ich mich sehr", betonte er. Heute könne er sagen: "epd medien lebt! Und mehr noch: epd medien hat eine Zukunft!" Das sei in der heutigen Zeit gewagt, aber es tue gut.