Vier Wochen nach «Idai»: Mosambik kämpft gegen Not und Cholera

epd-bild/Stefan Ehlert Vier Wochen nach dem Zyklon "Idai" steigt in Mosambik die Zahl der Cholerafälle und der Bedürftigen weiter. Gleichzeitig gibt es erste Pläne für den Wiederaufbau - ein heikles Thema im Wahljahr.

10.04.2019

"Stadt der Zukunft" - das war Beiras Slogan schon zur Zeit der Portugiesen. Den Beinamen hat die Küstenstadt in Mosambik weiterhin, die Verheißungen erfüllten sich nie. Der Hafen versandet ständig, die Bahn brachte keine Reichtümer. Auch politisch ist das oppositionell aufgelegte Beira weit entfernt vom Wohlwollen der Machthaber in der 1.000 Kilometer entfernten Hauptstadt Maputo. Zudem ist die Cholera seit jeher ein regelmäßiger Gast. Doch der Zyklon, der am 14. März über Mosambik, Malawi und Simbabwe wütete, machte aus der chronischen Notlage eine große Katastrophe.

Nach vier Wochen ist die noch längst nicht bewältigt. Allein in Beira selbst, wo mehr als 500.000 Menschen leben, hat die Zahl der Cholera-Kranken die Zweitausendergrenze längst überschritten. Auch im Umland greift die Infektionskrankheit weiter um sich. Gespannt warten alle, ob die rund 800.000 verabreichten Impfungen bald Wirkung zeigen. Die Impfaktion jetzt war eine logistische und organisatorische Meisterleitung.

Nur ein Viertel der Kosten gedeckt

Doch an anderer Stelle, meldet die UN-Koordinierungsstelle für Humanitäre Angelegenheiten (OCHA) in ihren Lageberichten, fehlen Geld und Material. Mehr als 750.000 Menschen im zentralmosambikanischen Überflutungsgebiet erhalten demnach Nahrungsmittelhilfe, doch nur ein Viertel der Kosten ist gedeckt. Und noch immer gibt es Sturmopfer, die nur mit dem Hubschrauber versorgt werden können und solche, die bislang leer ausgingen. Vom 5.300 untersuchten Kindern erwies sich fast jedes zweite als "schwer unterernährt".

Schwer zu stemmen ist auch die Unterbringung der Obdachlosen. Mehr als 230.000 Häuser in Mosambik gelten als zerstört oder schwerbeschädigt, so dass über 150.000 Menschen in rund 150 Camps Zuflucht suchten. Doch es fehlen 61.000 Zeltplanen und 33.000 Decken, listet OCHA Lücken in der Versorgung auf.

Baubestand nur schwer zu retten

Zehntausenden mangelt es am Nötigsten. Deutschland stockt deshalb, wie seine Botschaft in Maputo am Mittwoch mitteilte, seinen Nothilfebeitrag für Mosambik von einer Million Euro auf fünf auf. Der EU-Beitrag für die Soforthilfe in Mosambik, Simbabwe und Malawi wurde von 3,5 auf zwölf Millionen Euro erhöht. Gebraucht würden aber als Antwort auf "Idai" umgerechnet rund 250 Millionen Euro, gibt OCHA an, davon sei nur etwas über ein Fünftel bislang finanziert.

Äußerlich sieht es im Stadtzentrum von Beira inzwischen schon recht aufgeräumt auf. Hier wird die internationale Hilfe koordiniert. Täglich landen 200 Maschinen auf der einzigen Landebahn des Flughafens, mehr als zehn Mal so viele wie sonst. Aber Geschäftigkeit und äußerer Anschein dürfen nicht darüber hinwegsehen lassen: Auch in Beira dürfte ein großer Teil des Baubestandes nur schwer zu retten sein. Und wer auf die maroden Mauern der alten Kolonialbauten blickt, sollte nicht vergessen, dass dahinter Menschen ohne Dach über dem Kopf leben.

Zahlung mit schärfsten Kontrollen verbinden

Bürgermeister Daviz Simango setzt jetzt auf eine große Geberkonferenz im Mai, zusammen mit der Zentralregierung. Entwicklungsexperten der internationalen Gemeinschaft brüten über Aufbauplänen und Finanzierungen für Mosambik. Das jedoch sei nicht ohne Risiken, warnt Baltazar Fael vom unabhängigen mosambikanischen "Zentrum für Öffentliche Integrität" (CIP) im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Mosambiks Regierung ist diskreditiert, und es besteht die Gefahr, dass sie die Mittel einsetzen wird, um ihre Aussichten im bevorstehenden Wahlkampf zu verbessern." Fael fordert, jede Zahlung mit schärfsten Kontrollen zu verbinden.

Am 15. Oktober sind Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, und die ewige Mehrheit der regierenden Partei Frelimo ist in Gefahr. Zum Wiederaufbau sind derweil große Summen im Spiel für ein Land, das wegen illegaler Staatskredite als nicht kreditwürdig gilt: 90 Millionen US-Dollar soll es von der Weltbank geben, 120 Millionen vom Internationalen Währungsfonds, 100 Millionen von der Afrikanischen Entwicklungsbank.

Aus Sicht von Tina Hennecken-Andrade von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Maputo gibt es aber keine Alternative zu den Hilfen: "Es wäre für die internationale Gemeinschaft ein Armutszeugnis, nicht auf die katastrophale Notsituation zu reagieren", sagte sie dem epd. Mosambik könne die Folgen von "Idai" nicht aus eigener Kraft unter Kontrolle bekommen. Und wenn es die Regierung nicht schaffe, den Wiederaufbau "geordnet und wirkungsvoll" anzugehen - ohne Korruptionsskandale - dann schade sie sich selbst und ihren Aussichten auf einen Wahlerfolg.