«Inklusion statt Selektion»: Demo gegen vorgeburtliche Gen-Tests

epd-bild/Christian Ditsch Schätzungsweise 150 Aktivisten und Menschen mit Behinderung zogen am Mittwoch nach einer Auftaktkundgebung vor dem Gesundheitsministerium zum Brandenburger Tor.

10.04.2019

Einen Tag vor der Orientierungsdebatte im Bundestag über vorgeburtliche Gen-Tests haben Gegner des Vorhabens in Berlin für "Inklusion statt Selektion" demonstriert. Schätzungsweise 150 Aktivisten und Menschen mit Behinderung zogen am Mittwoch nach einer Auftaktkundgebung vor dem Gesundheitsministerium zum Brandenburger Tor. In der bisherigen Debatte seien Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Angehörigen kaum zu Wort gekommen, hieß es von den Veranstaltern. Dies solle sich durch die Demonstration ändern.

Auf der Demonstration sprach neben anderen die Aktivistin Natalie Dedreux. Die Kölnerin lebt selbst mit dem Down-Syndrom. Im Jahr 2017 konfrontierte die heute 20-Jährige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der ARD-Wahlarena mit dem Thema Spätabbruch von Föten mit Down-Syndrom. Vor drei Wochen startete sie die Petition "Menschen mit Down-Syndrom sollen nicht aussortiert werden!", die bislang von mehr als 14.000 Menschen unterzeichnet wurde.

"Wir sind mega cool drauf"

"Mein Leben mit Down-Syndrom ist cool", sagte sie in ihrer Rede. In Deutschland müsse es mehr Inklusion geben, betonte sie und berief sich auf Artikel drei des Grundgesetzes. Dieser verbietet eine Diskriminierung aufgrund einer Behinderung. Viele Leute hätten Angst vor Menschen mit Down-Syndrom, beklagte Dedreux. Das sei gar nicht nötig: "Wir sind mega cool drauf", sagte sie.

Der Test, über den am Donnerstag im Bundestag debattiert wird, gibt über die Untersuchung des Blutes der werdenden Mutter mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Auskunft darüber, ob das ungeborene Kind eine Form der Trisomie hat. Darunter fällt beispielweise das Down-Syndrom, bei dem das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorhanden ist.

Bislang muss der ethisch umstrittene Test selbst bezahlt werden. Kritiker, darunter Behindertenverbände, befürchten, dass bei einer Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung der Test zum Standard und Kinder mit einer Trisomie kaum noch geboren würden. Befürworter der Kassenleistung argumentieren, der Test dürfe nicht nur denen vorbehalten bleiben, die es sich leisten können.