Papst zieht regierungskritischen Bischof aus Nicaragua ab

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani Weihbischof Silvio José Báez und andere Geistliche unterstützen Regimegegner in Nicaragua, die von Polizisten und paramilitärischen Gruppen verfolgt werden. So sind sie auch selbst zum Angriffsziel geworden.

11.04.2019

Papst Franziskus hat den regierungskritischen Weihbischof Silvio José Báez aus Nicaragua abberufen. Er habe nicht darum gebeten, das Land zu verlassen, betonte Báez am Mittwoch (Ortszeit) in Managua. Die Entscheidung sei vom Heiligen Vater ausgegangen. Er brauche ihn in Rom, habe der Papst gesagt. "Es schmerzt mich sehr, nicht mehr bei dem von Gott so geliebten Volk von Nicaragua sein zu können", zitierte ihn die Tageszeitung "El Nuevo Diario".

Báez und andere Geistliche unterstützen Regimegegner, die von Polizisten und paramilitärischen Gruppen verfolgt werden. So sind sie selbst zum Angriffsziel geworden. Der Bischof sagte am Mittwoch, dass es im vergangenen Jahr Pläne gegeben habe, ihn zu töten. Darüber habe ihn die US-Botschaft informiert.

Auseinandersetzungen zwischen Polizisten, Paramilitärs und Demonstranten

Die katholische Kirche vermittelt immer wieder in den Gesprächen, mit denen Oppositionelle und Vertreter der Regierung des Präsidenten Daniel Ortega nach Lösungen zur Beilegung des Konflikts in dem Land suchen.

Die Amerika-Sprecherin von Amnesty International, Erika Guevara-Rosas, äußerte Bedauern über die Entscheidung des Papstes, eine der "ethisch wichtigsten Stimmen zur Verteidigung der Menschenrechte" aus dem Land abzuziehen. Der oppositionelle Schriftsteller Sergio Ramírez bezeichnete das "erzwungene Exil" von Báez auf Twitter als schweren Schlag im Kampf für Demokratie in Nicaragua.

Das Land befindet sich in einer schweren Krise, seit Ortega im April vergangenen Jahres repressiv gegen Proteste von Studenten, Umweltschützern und weiteren Oppositionellen vorgegangen ist. Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) sind bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten, Paramilitärs und Demonstranten seitdem 325 Menschen getötet worden. Die CIDH wirft der Regierung Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.