Berichte über Putsch im Sudan

11.04.2019

Radio und Fernsehen unterbrachen am Donnerstag ihr Programm, spielten Militärmusik und kündigten eine baldige Erklärung der Militärführung an, wie die Zeitung "Sudan Tribune" berichtete. In einem Telegramm, das der Zeitung vorliege, heiße es, ein Militärrat habe die Macht übernommen. Auf den Straßen der Hauptstadt Khartum fuhren Panzerfahrzeuge der Spezialeinheiten auf, die bislang als regimetreu galten.

Eine Augenzeugin berichtete im britischen Sender BBC, in der Hauptstadt Khartum herrsche Feierstimmung. Menschen strömten auf die Straßen, schwenkten Flaggen oder führen in Autokorsos hupend durch die Straßen. Zugleich warnten die Organisatoren der Proteste, die das Land seit Dezember erschüttern, die Demonstranten, vorschnell aufzugeben. Zunächst müsse man abwarten, ob tatsächlich das gesamte bisherige Regime zurücktrete und den Weg für einen Neuanfang freigebe.

Eskalation der Proteste

Dem mutmaßlichen Putsch war eine Eskalation der Proteste vorausgegangen. Seit Samstag hatten Zehntausende Demonstranten vor dem Hauptquartier der Armee in Khartum einen Sitzstreik veranstaltet. Seither sollen dort und bei Protesten im ganzen Land nach Angaben von sudanesischen Menschenrechtlern mindestens 21 Menschen getötet worden sein. Spezialeinheiten hatten zweimal versucht, den Platz zu räumen, und dabei scharfe Munition, Blendgranaten und Tränengas eingesetzt.

Insgesamt wird die Zahl der Toten seit Beginn der Proteste am 19. Dezember 2018 auf mehr als 60 geschätzt. Die Sicherheitskräfte nehmen Ärzte und medizinische Fachkräfte gezielt ins Visier, weil sie die ersten waren, die protestiert haben. Dabei hatten die Demonstranten sich zunächst gegen höhere Brotpreise gewendet, dann aber schnell den Rücktritt Al-Baschirs gefordert.

Al-Baschir (75) hatte sich vor 30 Jahren an die Macht geputscht. Er wird für den gewaltsamen Tod von Millionen Menschen in Darfur, den Nuba-Bergen und anderen Konfliktregionen im Sudan sowie im Südsudan verantwortlich gemacht. Vom Internationalen Strafgerichtshof wird er wegen Völkermords mit Haftbefehl gesucht.