Chemnitz-Prozess: Anklage gegen Dolmetscher zurückgenommen

epd-bild/Wolfgang Schmidt Der Dolmetscher soll versucht haben, einen Hauptzeugen zu beeinflussen. Die Anklage sei am Mittwoch zurückgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit. Weitere Ermittlungen seien aber beabsichtigt.

11.04.2019

Im Prozess nach der tödlichen Messerattacke in Chemnitz ist die Anklage gegen einen Dolmetscher aufgehoben worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Donnerstag mit. Sie hatte gegen den Mann erst Ende März Anklage wegen versuchter Anstiftung zur Falschaussage erhoben. Der Dolmetscher soll versucht haben, einen Hauptzeugen zu beeinflussen.

Die Anklage sei am Mittwoch zurückgenommen worden, hieß es. Weitere Ermittlungen seien aber beabsichtigt. Danach sei zu prüfen, ob erneut Anklage erhoben werde.

Nach der Tötung von Daniel H. im Spätsommer 2018 muss sich derzeit der 23-jährige Syrer Alaa S. vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Ihm wird gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Er soll das Opfer am 26. August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit dem flüchtigen Iraker Farhad A. (22) erstochen haben. Wegen erhöhter Sicherheitsanforderungen findet der Prozess in Dresden statt. Alaa S. bestreitet die Tat.

Umstrittener Dolmetscher

"Focus Online" hatte vor wenigen Tagen berichtet, dass die Freundin des Tatverdächtigen Alaa S. den umstrittenen Dolmetscher engagiert habe. Der Übersetzer für Arabisch, Türkisch und die kurdische Sprache Sorani habe dies in einer polizeilichen Vernehmung bestätigt, hieß es. Zugleich soll er bestritten haben, auf den Zeugen einwirken zu wollen.

Der Zeuge Younis N. hatte dem Bericht zufolge allerdings bei der Polizei gesagt, dass vonseiten diverser Bekannter des Angeklagten Alaa S. - darunter des Dolmetschers - Druck auf ihn ausgeübt werde, damit er seine belastende Aussage revidiere. Vor Gericht hatte dieser Hauptzeuge, ein 30-jähriger Koch aus dem Libanon, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Zum Zeitpunkt der Tötung soll er in dem nahe gelegenen Dönerlokal "Alanya" gearbeitet und die Tat direkt gesehen haben.

Der Deutschkubaner Daniel H. (35) war am Rande des Chemnitzer Stadtfestes getötet worden. Zudem wurde ein weiterer Mann verletzt. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Der tödliche Vorfall hatte eine Reihe ausländerfeindlicher Proteste ausgelöst.