Gericht: Drohung von Veröffentlichung von Nacktbildern ist Nötigung

12.04.2019

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm kann auch ohne einen persönlichen Kontakt die sexuelle Selbstbestimmung gefährdet sein. In dem vom Gericht entschiedenen Fall hatte ein heute 30-jähriger Angeklagte einer inzwischen 19-jährigen Schülerin gedroht, die von ihr übersandten Nachtbilder bei Facebook zu veröffentlichen und an ihrer Schule aufzuhängen. Damit wollte der Mann nach Gerichtsangaben die Schülerin zu sexuellen Handlungen zwingen, wie das Gericht in einer am Freitag veröffentlichten Entscheidung feststellte (AZ: 3 RVs 10/19 OLG Hamm).

Minderjährige Schülerin genötigt

Der Täter habe bereits durch die Drohung, die Nacktbilder der Schülerin zu veröffentlichen, eine strafbare Nötigung begangen, erklärte das Oberlandesgericht. Auch habe der Mann das Schutzgut der sexuellen Selbstbestimmung der damals noch minderjährigen Schülerin unmittelbar gefährdet. Das Oberlandesgericht hob ein Berufungsurteil auf und verwies das Verfahren zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Bielefeld. Der Mann sei in einem vorangegangenen Berufungsurteil zu Unrecht freigesprochen worden, erklärten die Richter in Hamm.

Nach Gerichtsangaben hatte sich zwischen der damals 16-jährigen Schülerin und dem Mann über WhatsApp ein reger Schreibkontakt entwickelt. Auf Initiative des Angeklagten hätten sie über den Messenger-Dienst Nacktbilder ausgetauscht. Als sich die Schülerin sexuellen Handlungen verweigerte, drohte der Mann den Angaben zufolge, ihre Nacktfotos bei Facebook zu veröffentlichen sowie ausgedruckte Fotos in der Schule des Mädchens aufzuhängen. Die Schülerin erstattete Anzeige. Bei einer anschließenden Durchsuchung händigte der Mann der Polizei sein Handy aus, auf dem sich Nacktfotos der Schülerin befanden.

Das Amtsgericht Herford verurteilte den Mann zunächst wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. In einer Berufungsverhandlung hob das Landgericht Bielefeld das Urteil auf. Das Gericht begründete den Freispruch damit, dass der Mann noch nicht unmittelbar zur Verwirklichung der sexuellen Nötigung angesetzt habe. Das Oberlandesgericht stellte nun fest, dass der Angeklagte zu Unrecht freigesprochen wurde.