Erzbischof Schick: Hürden bei humanitärer Hilfe in Syrien

epd-bild/Friedrich Stark Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat nach seiner Syrien-Reise einen zwiegespaltenen Eindruck über die gesellschaftliche und politische Lage in dem Bürgerkriegsland.

12.04.2019

Christen können nach dem Eindruck des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick ihren ihren Glauben wieder nahezu überall im Land leben. Der "Islamische Staat" sei in Syrien weitgehend besiegt. "Die Kirchen sind froh über diese Entwicklung, aber sie blicken trotzdem mit großen Sorgen in die Zukunft", sagte Schick dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag nach seiner Rückkehr aus Syrien. Gleichzeitig sei er während der Reise aber nirgendwo auf großen Optimismus gestoßen, dass das Land die schwere Krise in näherer Zukunft überwinden könne.

Hilfsprojekte der Caritas besucht

Schick war als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für vier Tage nach Syrien gereist, um sich dort ein Bild von der Lage zu verschaffen. Die Reise war aus Sicherheitsgründen vorher nicht angekündigt worden. Schick besuchte mehrere Hilfsprojekte der Caritas. Außerdem traf er während der Reise mehrere Vertreter syrischer Kirchen, um die kirchliche und politische Lage in Syrien besser zu verstehen und Möglichkeiten der Kooperation mit den Kirchen in Syrien auszuloten.

Humanitäre Hilfe in Syrien sei möglich, aber es gebe auch schwierige Hürden zu überwinden, erklärte Schick. "Es gibt Vorgaben der syrischen Regierung, und auch die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft, die keinen Wiederaufbau unter Präsident Assad unterstützen will, bedeuten für die Hilfsorganisationen erhebliche Einschränkungen." Dennoch nutze die Kirche die bestehenden Spielräume, sie versorge die Notleidenden nach Kräften.

Kirchen und Christen müssten sich in Syrien auf eine neue Rolle in der Gesellschaft einstellen, sagte Schick. Denn Christen hätten wegen des Krieges das Land in überdurchschnittlichen Maßen verlassen. In der Millionenstadt Aleppo lebten vor dem Krieg 150.000 Christen, jetzt seien es noch 30.000. Damit machten sie nur noch zwei Prozent der Bevölkerung aus. "Es gibt auch kaum Hoffnung, dass viele zurückkehren."

Um der syrischen Gesellschaft zu helfen, müsse zunächst die Wirtschaft stabilisiert werden, fügte der Erzbischof hinzu. Darüber hinaus brauche es aber langfristig "echte Bemühungen um eine inklusive Gesellschaft", in der sich die verschiedenen Gruppen zu Hause fühlten und der Einzelne ein höheres Maß an Freiheit genieße.