Bündnis im Gesundheitswesen will mehr für Organspenden tun

epd-bild / Annette Zoepf Der "Initiativplan Organspende" sieht unter anderem vor, Schulkinder sowie ältere Menschen und Zugewanderte über die Organspende aufzuklären. Der Plan soll das seit April geltende Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit bei Organspenden ergänzen.

25.06.2019

Auch Schulkinder sollen sich künftig schon mit dem Thema Organspende befassen. Das sieht ein unter Federführung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erstellter "Initiativplan Organspende" vor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Der Plan soll das seit April geltende Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei Organspenden ergänzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: "Noch immer sterben zu viele Menschen, weil es für sie kein passendes Organ gibt."

Der Plan sieht unter anderem vor, nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen und Zugewanderte über die Organspende aufzuklären. Des Weiteren gibt es Empfehlungen für Krankenhäuser, die Organe entnehmen, zur Weiterbildung der Transplantationsbeauftragten und zur Ausbildung von Ärzten und Intensiv-Pflegekräften.

Regelmäßige Abfragen des Spendewillens

Auf die gemeinsamen Anstrengungen zur Erhöhung der Organspendezahlen haben sich die Spitzenverbände der Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser sowie Patientenvertretungen und Transplantationsmediziner geeinigt. Ziel sei es, "möglichst jedem Organspendewunsch eines verstorbenen Patienten nachzukommen", erklärte der medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel.

Der Bundestag will am Mittwoch über zwei fraktionsübergreifende Gesetzesanträge für eine Neuregelung der Organspende debattieren. Laut Spahns sogenannter Widerspruchslösung soll künftig prinzipiell jeder Organspender sein, der zu Lebzeiten nicht einen gegenteiligen Wunsch dokumentiert oder seinen Angehörigen mitgeteilt hat. Eine Abgeordnetengruppe um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock setzt sich in einem Gegenantrag dafür ein, dass die aktuelle Regelung, wonach der Spendewille etwa in einem Ausweis dokumentiert wird, im Grundsatz erhalten bleibt. Dies soll durch ein Online-Register und regelmäßige Abfragen des Spendewillens ergänzt werden.

"Wir werden dann nur eine weitere Ehrenrunde drehen"

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der mit Spahn für die Widerspruchslösung eintritt, sagte am Tag vor der Debatte, die wiederholte Ansprache und Information der Menschen sei nicht ausreichend. "Wenn wir die Widerspruchslösung nicht beschließen, dann wird sich an der Situation, wie wir sie jetzt haben, nichts ändern", warnte er mit Blick auf vergangene Kampagnen zur Erhöhung der Organspendezahlen: "Wir werden dann nur eine weitere Ehrenrunde drehen." Länder mit hohen Spenderzahlen hätten alle die Widerspruchslösung.

Nach Lauterbachs Angaben versammeln Spahn und er etwa ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hinter ihrem Antrag. Ein weiteres Drittel unterstützt Lauterbach zufolge gegenwärtig den Baerbock-Antrag. Bei der Debatte und der Abstimmung sind die Parlamentarier, wie bei ethischen Themen üblich, nicht an die Fraktionsdisziplin gebunden.

In Deutschland warten nach Angaben der DSO rund 9.400 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Zahl der Spender ist von knapp 1.300 im Jahr 2010 auf den Tiefstand von knapp 800 im Jahr 2017 gesunken und erst im vorigen Jahr wieder auf 955 Spender gestiegen.